Leserbriefe : Wozu brauchen wir über 300 Krankenkassen in Deutschland?

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„Rentenkassen: Wir brauchen ein Darlehen“ und „Kassen: Höhere Beiträge wegen Arzneikosten“ vom  29. Juli 2005

Statt immer wieder die Beiträge zu erhöhen, unter anderem auch mit der Begründung von Arzneimittelmehrausgaben der Krankenkassen, sollte man sich endlich auch einmal Gedanken machen, wie und in welcher Form man die mehr als 300 in Deutschland existierenden Krankenkassen reduzieren könnte. Im Endeffekt werden alle Patienten aber auch die Versicherten in der Zukunft immer mehr belastet und im Gegensatz dazu leisten sich diese vielen derzeit bestehenden Kassen eine Vielzahl von Verwaltungsgebäuden und einen damit verbundenen viel zu großen Büroapparat. Viel Geld könnte mit einer vernünftigen Reduzierung der Krankenkassen eingespart werden, das dann zum Wohle aller Versicherten eingesetzt werden könnte. Natürlich müsste diese Alternative vom jeweiligen Gesetzgeber kontinuierlich durchgesetzt werden. Keine etablierte Partei hat bis jetzt den Versuch unternommen, einmal in diese, meines Erachtens erfolgversprechende Richtung zu denken. Im Prinzip würden vielleicht sogar  ein bis drei Kassen genügen und zwar allesamt auf gesetzlicher Basis. Durch diese erzielten Einsparungen könnte man dann eine für alle Bevölkerungsschichten erträglichere Beitragsbelastung erreichen, und es wären dann auch nicht mehr so viele unangenehme Zuzahlungen mehr durch die Patienten zu tragen. Ebenso würde der Gesundheitsstand im Allgemeinen verbessert werden und  Familien und Rentner zum Beispiel hätten mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Um dies jedoch erreichen zu können, wäre allerdings erst einmal ein Wollen und ein grundlegendes Umdenken in der Politik erforderlich, das ganze derzeitige Herumdoktern in Bezug auf Bürgerversicherung und CDUKopfpauschale wird die Krankenkassenproblematik auf Dauer nicht lösen können. 

Andreas Karl,  Billroda

Sehr geehrter Herr Karl,

die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen sinkt ständig, dafür sorgt derzeit schon der Wettbewerb unter den Kassen. So haben sich die über 250 regionalen AOKs bereits Mitte der 90er Jahre zu 17 Landes-AOKs zusammengeschlossen. Viele kleine Kassen gibt es heute nur noch im Bereich der Betriebskrankenkassen, zum Teil auch noch bei den Innungskrankenkassen. Eine gesetzlich vorgeschriebene Fusion zu zwei oder drei Kassen ist jedoch nicht die Lösung der Finanzprobleme unseres Gesundheitswesens. Weitere Zusammenschlüsse sollten das Ergebnis des Wettbewerbs unter den gesetzlichen Krankenkassen sein, wofür die Wettbewerbsordnung im Bereich gesetzlicher Krankenversicherung noch deutlich optimiert werden müsste. Moderne Krankenversicherung ist heute viel mehr als Verwaltung im klassischen Sinn. Der Aufbau von Versorgungsprogrammen für chronisch Kranke (DMP) und die Umsetzung und Realisierung der Programme gemeinsam mit Ärzten, ist das neueste Beispiel für den nutzbringenden Einsatz von „Verwaltungskosten“. Die Entwicklung von Präventionsangeboten, die Einführung des neuen Vergütungssystems im Krankenhausbereich mit mehr Transparenz der Kosten und Leistungen für die Patienten und mit mehr Qualitätswettbewerb, sind weitere Beispiele für neue Kassenaufgaben. Krankenkassen werden im verschärften Wettbewerb immer mehr Aufgaben im Bereich der Leistungsentwicklung und Qualitätskontrolle übernehmen, um das deutsche Gesundheitswesen effizienter und wirtschaftlicher zu machen. Viel Personalaufwand erfordern überdies komplizierte gesetzliche Regelungen. Hier müsste der Gesetzgeber durch vereinfachte Rahmenbedingungen den Kassen Einsparmöglichkeiten geben.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten an die Versicherten im Jahr 2004 rund 131 Milliarden Euro, die gesamten Verwaltungskosten beliefen sich dabei auf 8 Milliarden. Das waren 0,25 Prozent weniger als 2003. Mit den neuen Aufgaben im Bereich des Leistungsmanagements und der Einführung neuer Versorgungsangebote zum Beispiel für chronisch Kranke ändert sich die Bedeutung der Verwaltungskosten für die Kassen. Wichtige Managementaufgabe der Kassen ist es zum Beispiel, durch gezielten Einsatz von Personal und EDV – und damit von Verwaltungskosten – eine bessere Betreuung von Krankengeldempfängern aufzubauen. Dadurch konnte eine schnellere Wiedereingliederung in das Arbeitsleben und eine Senkung der Krankengeldausgaben erreicht werden. Die Beitragszahler profitieren davon durch stabile Beiträge. Höhere Verwaltungskosten führten so zu einem deutlich wirtschaftlicheren Gesamtergebnis für die Kasse und deren Beitragszahler. Allein aus der Höhe oder der prozentualen Entwicklung der Verwaltungskosten ist daher nicht mehr die Effektivität und die Wirtschaftlichkeit des Managementhandelns einer gesetzlichen Krankenkasse zu beurteilen. Wer die Behauptung aufstellt: hohe Verwaltungskosten heißt schlecht gewirtschaftet, liegt oft falsch. Und die Gleichung: niedrige Verwaltungskosten gleich wirtschaftlich, kann ebenso oft falsch sein.

Udo Barske ist Leiter der Pressestelle des Bundesverbandes der AOK

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