Leserbriefe : Zehnerpotenz oder Leben

Berichterstattung zur Fusion von Linkspartei/PDS und WASG

Politik geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. So ist es für die etablierten Parteien einfacher, eine Partei wie Die Linke zuzulassen und auf sie einzudreschen, statt Zustände zu schaffen, die sozial so gerecht sind, dass man keine Partei so weit links braucht. Deshalb fällt jede Kritik der Etablierten an der „Linken“ nur auf die Etablierten selbst zurück. Außerdem: hätte sich zu Wendezeiten die SPD nicht so „zickig“ gehabt mit der Aufnahme von reformwilligen SED-Mitgliedern, hätte es die Probleme von PDS bis „Linke“ mangels Masse möglicherweise gar nicht gegeben.

Olaf Stephan, Berlin-Altglienicke

Nun hat es Lafontaine geschafft, was er immer wollte: Er ist bei seinen Freunden von der SED gelandet. Er war mit ihnen stets einer Meinung, beispielsweise in der Ablehnung der Einheit Deutschlands und – nicht zu vergessen – als Befürworter der „selbstständigen politischen Einheit Westberlin“.

Mit seinem Bruder im Geiste Gysi (ebenfalls gescheiterter Parteivorsitzender und Minister) verbindet ihn die Fähigkeit der Demagogie, was er bei seiner Rede zum sogenannten Vereinigungsparteitag zur Schau stellte. Gysi hat bei dieser Veranstaltung süffisant erklärt, dass seine Partei jetzt zur endgültigen deutschen Einheit beigetragen habe.

Jetzt sollen wir also wieder einmal den Sozialismus pur erleben, und es wird eine Reihe Lämmer geben, die das auch gut finden. Dabei haben wir in der noch überschaubaren Vergangenheit zweimal erlebt, was sozialistische Parteien anrichten können und wie lange wir an den Trümmern zu räumen haben, die diese Leute hinterlassen haben.

Die (national)sozialistische Partei hat ein „tausendjähriges Reich“ in Grund und Boden gefahren und die sozialistische Einheitspartei hat mit ihrer hundertjährigen Mauer ihren Einflussbereich derartig ruiniert, dass es nach Ansicht von Experten noch Jahrzehnte dauern wird, bis wieder schwarze Zahlen geschrieben werden können.

Nun hat die Vergangenheit aber auch gezeigt, dass sich das Verfallsdatum in Zehnerpotenz verkürzt. Von 1000 Jahre auf 100 und das müsste folgerichtig bedeuten, dass die Lebenserwartung der dritten Sozialistischen Partei 10 Jahre beträgt. Es besteht also die Hoffnung, dass ein vierter Versuch die Gründungsphase nicht übersteht.

Peter Lein, Berlin-Spandau

Hatten wir so etwas nicht schon einmal: einen Vereinigungs-Parteitag? Und was war das Ergebnis? Eine Partei, die den Werktätigen eine goldene Zukunft versprach und dabei einen ganzen Staat an die Wand fuhr.

Dr. Hans-Joachim Müller,

Berlin-Spandau

Oskar Lafontaine hatte es zum Vorsitzenden der SPD gebracht, war also Nachfolger von Persönlichkeiten wie Bebel, Schumacher und Brandt. Dieses ehrenvolle Amt warf er weg wie einen alten Lappen. Nun, als neuer Vorsitzender der mehrfach umbenannten SED ist er zum Nachfolger von Pieck, Ulbricht, Honecker und Krenz geworden. Das ist doch einen Glückwunsch wert.

Wolfgang Seipel, Berlin-Lichterfelde

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