Leserbriefe : Zermürbende Zahlenspiele

„Matheschwindel wird immer größer“ und „Gewaltige Zahlen“ vom 13. Juni

Als Vater einer betroffenen Tochter begrüße ich die Entscheidung der Senatsverwaltung und muss mich über die Scheinheiligkeit der Kommentatoren wundern. Auf der einen Seite wird der Moralverlust der Wirtschaft und der Jugend beklagt, auf der anderen soll aber der Betrug akzeptiert werden. Es ist ja nichts Neues, dass Schüler versuchen, sich bei Arbeiten einen Vorteil zu verschaffen, wenn sich aber die Gerüchte bewahrheiten, dass ganze Klassen die Aufgaben vorher hatten, Lehrer während der Prüfung Gruppenarbeit zuließen oder Eltern die Arbeiten für ihre Kinder schrieben, dann muss man schon von Methode reden.

Sinn einer strengen Prüfung ist es, vergleichbare Noten zu erreichen, Noten, die für das weitere Leben und den Beruf wichtig sind. Betrüger haben hier nur einen scheinbaren Vorteil, der bei der nächsten Prüfung verschwunden ist. Wenn wir als Eltern unseren Kindern Werte nicht vermitteln, müssen wir uns über den Werteverlust der Gesellschaft nicht wundern, wir prägen ihn mit.

Die Wiederholung des MSA Mathematik 2008 ist genau der richtige Zeitpunkt, um zu zeigen, wie schnell Betrug geahndet werden kann und welche Konsequenzen der Einzelne zu zahlen hat. Ich möchte jetzt nicht in der Haut der Betrüger stecken.

Olaf Heimburger, Berlin-Heiligensee

Wie kann es sein, wenn das System „an sich wasserdicht“ ist, dass Ergebnisse vorab weitergegeben werden können? Die undichte Stelle muss doch irgendwo anders sein als bei Schülern? Wer garantiert den 28 000 Schülern – manche nun unter Daueranspannung – dass es nicht wieder so passieren kann?

Die Schüler sind frustriert und äußern, dass der Senat so ein großes Ding um diesen mittleren Bildungsabschluss mache und nicht in der Lage sei zu verhindern, dass die Ergebnisse vorab in Umlauf kämen. Dies sei skandalös. In Anbetracht der finanziellen Bildungsmisere sei es außerdem ein Hohn für die Wiederholung, so viel Geld zur Verfügung zu stellen, während sonst zeitweilig kein Geld mehr für Kopien im regulären Unterricht zur Verfügung stünde. Es müsse eine andere Regelung getroffen werden.

Wer hat denn nun den Fehler gemacht? Sicherlich doch nicht die Schüler und Schülerinnen, die sich brav diesem Prüfungsmarathon stellen.

Doris Friedrich, Berlin-Charlottenburg

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