Leserbriefe : Zu Hause Ausländer

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„Junge Migranten sind keine Minderheit mehr“ vom 14. August 2008 und

Ich gehöre einer Generation an, die eine multikulturelle Gesellschaft immer als Bereicherung verstanden hat und ihre Kinder zu Toleranz erzieht. Aber was soll ich meinem siebzehnjährigen Sohn sagen, wenn ihm in Lankwitz zwei Jugendliche seinen Döner mit der Begründung wegnehmen: „Was brauchst du Döner?“ Wenn ihm in Lichterfelde sein MP3-Player „abgezogen“ wird? Wenn ihn am Rathaus Steglitz eine türkisch-arabische Jugendbande zusammenschlägt? Wenn er immer wieder zu hören bekommt: „Eh, was willst du Scheiß-Deutscher?“ Das Antigewalttraining in der Schule hat ihn bisher vor Schlimmerem bewahrt, aber er fühlt sich ohnmächtig: „Das ist doch mein Land. Wo soll ich denn hin?“ Diskriminierung ist keine Einbahnstraße.

Im Windschatten einer rechts und links einigenden Ignoranz gegenüber einer sinnvollen Einwanderungs- und Integrationspolitik hat sich ein Klima entwickelt, in dem Muslime, wie Ferid Heider beschreibt, Deutsche als minderwertig ansehen. Das Ergebnis des Mikrozensus spricht für sich. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind keine Minderheit. Und bei ihrer Integration hat unsere Gesellschaft bisher ganz offensichtlich versagt. Doch die Probleme beschränken sich längst nicht mehr auf Bezirke wie Neukölln oder Wedding. Sie sind auch in den bürgerlichen Vierteln der Stadt.

Christiane Müller-Zurek,

Berlin-Lankwitz

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