Leserbriefe : Zu kurz gegriffen

„Verliebt in die eigene Exzentrik / ,Die dritte radikale Widerstandsbewegung‘: Ernst Nolte setzt seine Auseinandersetzung mit den ideologischen Diskursen des vergangenen Jahrhunderts fort“

von Jacob Heilbrunn vom 17. August

Ich blieb beim Lesen Ihrer Besprechung an einem Satz besonders hängen: „Wenn Hitler den Kommunismus wirklich als Hauptfeind sah, warum griff er dann England und Frankreich an, während er mit Stalin ein Abkommen schloss?“ In dieser Form greift Ihre Frage doch sehr kurz. Sie sollten und müssten sie eigentlich sich selbst beantworten können. Hitler hat das Abkommen mit Stalin abgeschlossen, um Polen angreifen zu können und zugleich Frankreich und England von einem Eingreifen abzuhalten. Er hat bis zum 3.9.39 gehofft und erwartet, dass die Westmächte wieder stillhalten. Seine überlieferte Frage an Ribbentrop am 3.9. : „Und was nun?“ Nicht Hitler hat Frankreich und England den Krieg erklärt. Es war umgekehrt.

Und die schöne westliche Garantie für Polen? Die Engländer haben sie nicht in der Form eingehalten, die für die Polen selbstverständlich war, sondern wollten stattdessen ihre Wäsche singend an der Siegfriedlinie aufhängen und der „drollige Krieg“ im Westen dauerte bis zum Mai 1940. Die Engländer erklärten, als es noch ernster wurde, weil die Sowjetunion im September ebenfalls in Polen einmarschierte, die Garantie gelte nur für den Fall eines deutschen Angriffs. Drastisch gesagt: Es war ihnen „wurscht“, dass die Sowjets Polen mit zerschlugen, bzw. sie haben „den Schwanz eingezogen“, weil sie vor den Konsequenzen zurückschreckten. Ich meine, auch das gehört zur wirklichen Geschichte.

Hans-Jürgen Habenicht,

Berlin-Dahlem

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