Leserbriefe : Zum Leben locken

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Zur familienpolitischen Diskussion

Die momentan laufende Diskussion kann im Grunde nur Kopfschütteln auslösen. Die Situation: Deutschland braucht mehr Kinder, doch die jüngere Generation will partout nicht gebären. Die Lösung: Den gewünschten Müttern von morgen (am liebsten mit Abitur, Diplom und Arbeitsplatz) wird das Muttersein mit Geldprämien schmackhaft gemacht. Damit die Kindererziehung sie nicht zu lange von Beruf und Karriere ablenkt, beruhigt sie der Staat mit dem Versprechen, ihnen durch die Schaffung von neuen Krippenplätzen die Erziehung abzunehmen. Im Grunde wird jungen Eltern mit den staatlichen Lockmitteln der Krippenbetreuung ihre Erziehungsunfähigkeit im Voraus bescheinigt.

Krippenerziehung kann immer nur ein Ersatz sein und sollte nicht als der normale, gar einzig richtige Weg „verkauft“ werden. Warum gelingt es nicht, die Entscheidung jeder Mutter zu respektieren und sie und ihre Kinder auf ihrem jeweiligen Weg zu unterstützen. Jede Mutter sollte im Rahmen ihrer Verantwortung und Möglichkeiten über Eigen- oder Fremdbetreuung ihres Kindes entscheiden. Schlechtes Gewissen, Unsicherheit oder Ideologie sind schlechte Berater, wenn es um das Wohl von Kindern geht.

Charlotte Lewerich, Berlin-Mitte

Der vermeintlich „moderne“ Vorstoß von Frau von der Leyen ist gerade das Gegenteil: In der einseitigen Förderung des Kita-Konzepts liegt eine im Grunde altmodische Bevormundung des Staates für Frauen und Familien. Es wäre besser, das Kindergeld zu erhöhen und dann die Mütter bzw. Familien entscheiden zu lassen, ob sie ihre Kinder selbst betreuen oder in eine Kita geben. Es gibt genug Mütter, die in den ersten Lebensjahren gern ganz für ihre Kinder da wären, aber aus finanziellen Gründen arbeiten gehen oder zumindest glauben, dies tun zu müssen. Diesen Müttern würde ein höheres Kindergeld die Entscheidung erleichtern, zu Hause zu bleiben. Und wer gern arbeiten möchte, könnte von dem (etwas reichlicheren) Kindergeld eine Kita-Gebühr bezahlen. Ein solches Herangehen würde mit der gleichen Geldmenge wirkliche Wahlfreiheit für die Frauen schaffen.

Bernd Katzschner,

Porschdorf (Sachsen)

Fakt ist, dass sich nicht alle Mütter beliebig doppelt belasten lassen. Die eine Mutter möchte unbedingt berufstätig sein und schafft das locker. Die andere möchte eine Teilzeitbeschäftigung und die dritte möchte „nur Mutter und Hausfrau“ sein. Kein Mensch will eine Gesellschaft, in der die Frau in eine Hausfrauenrolle gezwungen wird. Jede Familie muss selbst entscheiden können, welche Lebensform zu den Familienmitgliedern individuell am besten passt. Deutsche Einheitsfrauen, die gibt es glücklicherweise nicht. Und so kann auch kein einheitlich genormtes Rollenverhalten der Frauen erzwungen werden.

Helmut Schmidt, Baltersweiler

Kinder müssen vor allem täglich mit anderen Kindern zusammen sein. Und da Kinder heutzutage nicht mehr so einfach vor der Tür mit anderen Kindern spielen können, und viele zudem auch noch Einzelkinder sind, spielen Kindergärten eine wichtige Rolle in der sozialen Entwicklung. Denn kein Kind will ernsthaft 24 Stunden am Tag (nur) mit seiner Mutter zusammen sein. Wichtig ist nur zu wissen, dass Eltern im Notfall für einen da sind. Gleichaltrige Menschen sind für Kinder viel wichtiger. Das gilt im besonderen Maß für Kinder, deren Eltern nicht aus Deutschland kommen, damit sie auch den kulturellen Hintergrund ihrer neuen Heimat früh genug kennenlernen.

Renate Franz, Köln

Zum Interview mit Jörg Schönbohm

vom 22. Februar

Derartig viele falsche Behauptungen und antiquierte Ansichten in so kompakter Form – dass schafft nicht einmal der noch amtierende bayerische Ministerpräsident. Schlecht für die Entwicklung sei es für viele Kinder, wenn sie in Krippen gebracht würden. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade in Ländern, in denen die frühe Bestreuung für Kinder schon länger völlig normal ist, sind die Ergebnisse zur sozialen, körperlichen und geistigen Entwicklung besser als in Deutschland. Die Kinderbetreuung und das Arbeiten beider Elternteile auch noch mit Gewaltbereitschaft Jugendlicher in Verbindung zu bringen, ist eine Frechheit gegenüber den vielen pädagogisch Tätigen, die in diesem Bereich eine gute Arbeit leisten. Vielleicht sollte Herr Schönbohm mal eine Studie in Auftrag geben, die untersucht, wie gewalttätig Jugendliche sind, die früh in Kitas kommen und deren Eltern beide berufstätig sind.

Wenn von Jörg Schönbohm angeführt wird, dass die Mutter in den ersten drei Jahren sehr wichtig für das Kind ist, so dient dies natürlich in erster Linie als Alibi für gleichgesinnte Väter, deren Vatersein sich auch weiterhin vorwiegend auf die Zeugung und die Ernährung der Familie beschränkt.

Marcel-Ruben Weigand,

Berlin-Moabit

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