Leserdebatte : Ein Verdauungsschnaps auf den Jugendschutz

Seit langem streitet die Politik darüber, wie dem Missbrauch von alkoholischen Getränken beizukommen sei. Dabei aber nicht zu fragen, woher dieses Verhalten rührt, ist vor allem eines - Doppelmoral. Diskutieren Sie mit!

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Greift unser Jugendschutzgesetz nicht ausreichend? Wird der Verkauf zu wenig kontrolliert? Gibt es zu viele schwarze Schafe unter den Verkäufern, die auch Jugendlichen Hochprozentiges feilbieten? Fragen, die aufgeworfen werden, wenn wieder Jugendliche mit geradezu rekordverdächtigen Werten aufgegriffen werden, wie jüngst ein 16-jähriges Mädchen mit einem Blutalkoholwert von 3,9 Promille.

Fakt aber ist, wir leben in einer alkoholisierten Gesellschaft, in der der Verdauungsschnaps ebenso weite Legitimation erfährt wie der Wein zum Essen. Da nippt schonmal Ilse Aigner medienwirksam am Schnaps und wirbt eine ganze Bierbranche, als wäre ihr alkoholisches Erzeugnis ein Lifestyle-Produkt - quasi die erfrischende "Pilsbrause" für unterwegs.

Zur scheinheiligen Doppelmoral verkommt es dann, wenn man weiß, dass Kinder und Jugendliche teilweise durch das Kopieren von Angewohnheiten Erwachsener lernen und man sich dennoch fragt, wie das Problem Alkoholmissbrauch einfach aus dem Nichts entstehen konnte. Längst ist das "Vorglühen" oder der "Botellón" zum kulturellen Initiationsritus der Partygänger geworden. Wer dazu gehören will, trinkt mit.

Wieviel Verantwortung liegt also innerhalb einer Gesellschaft, die Alkoholkonsum einerseits zum Standard erhebt, gleichzeitig jedoch denkt, ihn per Klausel regulieren zu können? Sollte Alkoholverkauf stärker reglementiert und die Einhaltung besser kontrolliert werden?

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