Leserkommentar : "Die Freiflächen sind ein Politikum"

Berlins jüngere Geschichte hat mehrere Freiflächen im Herzen der Stadt hervorgebracht. Hans Stimmann meint: Nach zwölf Jahren ist es an der Zeit, sich endlich mit dem Geburtsort der Hauptstadt auseinanderzusetzen.

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Foto: Ulrich Baumgarten / Vario-Press
21.10.2010 17:44Das Regierungsviertel zwischen Reichstag und Spreebogen, hier ein Bild von 1997, glich über Jahre einem riesigen Sandkasten. -

Hans Stimmann antwortet auf den Leserbrief von Franziska Eichstädt-Bohlig.

Frau Eichstädt-Bohlig irrt, wenn sie meint, der Senat hätte in seinem Planwerksbeschluss vom 18. Mai 1999 die Freifläche zwischen Fernsehturm und Spree beschlossen. Der dazugehörige Plan zeigte lediglich den Status quo, da man sich in der damaligen Koalition auf keine Lösung verständigen konnte.

Es geht heute auch nicht darum, "Baufanatiker gegen Freiflächenverteidiger in Stellung zu bringen", sondern sich nach zwölf Jahren Wartezeit endlich mit einem der Geburtsorte Berlins auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch eine Klärung der Begriffe Rathausforum, Marx-Engels-Forum, Stadtzentrum oder "Freifläche".

Was sich heute als Freifläche darbietet und damit zweifellos eine kleinklimatische Wirkung entfaltet, ist eben nicht nur grün, sondern ein Politikum, weil es ein Ergebnis  ist einer erst kurze Zeit zurückliegenden Auslöschung der Stadtgeschichte für den Staatsort der DDR.

Selbstverständlich muss ein Planungsverfahren mit intensiver bürgerschaftlicher Kommunikation gewählt werden.  Nur sei daran erinnert, dass die Stadt, ihre Bürger, Politiker und die Fachleute über die Zukunft dieses Ortes schon seit der Wende diskutieren, u.a. in einer mehrjährigen Planwerks-Debatte. Obwohl seit dem  Planwerksbeschluss zwölf Jahre ins Land gegangen sind, ist auch heute von den Grünen außer dem Ruf nach einem offenen Verfahren nichts zu hören bzw. zu lesen.

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1 von 14Foto: Thilo Rückeis
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Voraussetzung für ein demokratisches Verfahren ist die Formulierung einer Position, die eine Meinungsbildung erst ermöglicht. Nachvollziehbar wäre z.B. eine Position, den derzeitigen Zustand als Fragment des 1984/85 angelegten DDR-Staatsraumes denkmalpflegerisch zu bewahren.

Wenn man das aber nicht will, sondern für Veränderungen plädiert, braucht man eine eigene Haltung. Wer regieren will, sollte Vorschläge machen, z.B. ob man den Neuen Markt vor St. Marien wiederentstehen lassen sollte oder ob das Nicolaiviertel durch eine kleinteilige Bebauung z. B. durch Baugruppen aus seiner Isolation zu befreien ist?


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