Leserkommentar : Fall Guttenberg: Prüfungskommission hat versagt

Unser Leser Prof. Dr. Ing. Peter Marx nimmt sich die Promotionsordnung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bayreuth vor, um das Versagen der Prüfungskommission im Fall zu Guttenberg zu belegen.

Peter Marx
1. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth wirft ihm Anfang Mai "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Er habe "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht." Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
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06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

In kursiver Schrift die Auszüge aus der Promotionsordnung (Hervorhebungen durch den Verfasser):

„Nach der formalen Zulassung zur Promotion und der ehrenwörtlichen Erklärung des Bewerbers darüber, dass er die Dissertation selbständig verfasst und keine anderen als die von ihm angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat, bestellt der Dekan zur Berichterstattung über die Dissertation unverzüglich zwei Gutachter, von denen einer Ordinarius sein soll. Wurde die Dissertation im Rahmen eines Doktorandenverhältnisses angefertigt, so ist in der Regel der erste Berichterstatter (der sogenannte Doktorvater)* die prüfungsberechtigte Person, die die Dissertation betreut hat (Prof. Dr. Häberle, 77 Jahre!)*. Prüfungsberechtigt im Sinne dieser Promotionsordnung sind Hochschullehrer und Professoren im Ruhestand.“

Beim Deutschen Patentamt werden immer wieder Erfindungen für ein nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unmögliches Perpetuum Mobile eingereicht. Die hauptamtlichen Patentprüfer lehnen diese Anmeldungen anhand ihrer Sachkenntnis stets ab. Es ist nicht bekannt, dass diese verantwortungsvolle Prüfungstätigkeit von Patentamts-Ruheständlern, die das siebzigste Lebensjahr weit überschritten haben, noch ausgeübt werden darf. An Universitäten ist das aber leider der Fall. Diese Praxis sollte daher abgeschafft oder zumindest für professorale Universitätspensionäre zeitlich beschränkt werden.

„Vor Annahme eines Doktoranden soll nach Möglichkeit geklärt werden, wer aus der Fakultät das Zweitgutachten erstellen wird (Zweitgutachter war Prof. Dr. Streinz, 58 Jahre)*.

Jeder Berichterstatter gibt innerhalb einer angemessenen Frist ein schriftliches Gutachten über die Dissertation ab und schlägt dem Dekan die Annahme, die Rückgabe zur Verbesserung oder die Ablehnung der Dissertation vor.“

Wie bekannt, hat Prof. Dr. Fischer-Lescano (39 Jahre) von der Universität Bremen im Rahmen einer Rezension für eine Fachzeitschrift die bekannten Ungereimtheiten festgestellt, wobei sein Arbeitsaufwand signifikant geringer als der Betreuungsaufwand des oben genannten Doktorvaters anzunehmen ist, das heißt, Prof. Dr. Häberle hätte aufgrund der langjährigen Betreuung des Promotionskandidaten diese Plagiate entdecken müssen. Auch dem zweiten Berichter hätte die eingereichte Dissertation verdächtig vorkommen müssen.

„Der Dekan bestellt einen dritten Berichterstatter, wenn die zwei Berichterstatter bei ihrer Bewertung um mehr als eine Note voneinander abweichen, einer der Berichterstatter die Ablehnung der Dissertation vorschlägt oder einer der Berichterstatter die Bestellung eines weiteren Berichterstatters verlangt. Die Promotionskommission kann auch von sich aus bis zu zwei weitere Gutachter bestellen, sofern sie es für erforderlich hält, um eine sachgerechte Beurteilung zu gewährleisten.“

Von diesen Möglichkeiten wurde nicht Gebrauch gemacht, da offensichtlich beide Gutachter die Traumnote: „summa cum laude = 1 = eine ganz hervorragende Leistung“  für angemessen hielten.

„Der Dekan kann die Dissertation dem Bewerber zur Verbesserung zurückgeben; er muss dies tun, wenn einer der Berichterstatter die Rückgabe der Arbeit zur Verbesserung verlangt. Die überarbeitete Dissertation ist binnen eines Jahres erneut vorzulegen. Die Frist kann in begründeten Ausnahmefällen um ein weiteres Jahr verlängert werden.“

Von dieser gebotenen Möglichkeit wurde leider kein Gebrauch gemacht. Die schriftlichen Gutachten sollten wg. der Brisanz der Angelegenheit öffentlich gemacht werden, damit der Bürger sich ein Bild von den Bewertungsmaßstäben dieser hochkarätigen Hochschul-Prüfer machen kann. Die Berichterstatter hätten die Möglichkeit gehabt, großen Schaden vom Minister, der nicht einmal Volljurist ist, abzuwenden, indem sie die Arbeit nach Durchsicht zunächst abgelehnt und ggf. umfangreiche Nachbesserungen verlangt hätten, denn die gravierenden Mängel hätten sie erkennen müssen. Ungeachtet dessen hat natürlich der Doktorand sein Fehlverhalten auch voll zu verantworten.

„Die Gesamtnote der Dissertation ergibt sich grundsätzlich aus dem arithmetischen Mittel der von den Berichterstattern vorgeschlagenen Noten. Der Dekan bestellt einen dritten Berichterstatter, wenn die zwei Berichterstatter bei ihrer Bewertung um mehr als eine Note voneinander abweichen, einer der Berichterstatter die Ablehnung der Dissertation vorschlägt oder einer der Berichterstatter die Bestellung eines weiteren Berichterstatters verlangt. Die Promotionskommission kann auch von sich aus bis zu zwei weitere Gutachter bestellen, sofern sie es für erforderlich hält, um eine sachgerechte Beurteilung zu gewährleisten.

Der Dekan kann die Dissertation dem Bewerber zur Verbesserung zurückgeben; er muss dies tun, wenn einer der Berichterstatter die Rückgabe der Arbeit zur Verbesserung verlangt. Die überarbeitete Dissertation ist binnen eines Jahres erneut vorzulegen. Wird die Dissertation nicht fristgerecht vorgelegt, so gilt sie als abgelehnt. Eine überarbeitete Dissertation ist nach dem Sach- und Wissensstand zur Zeit der Neuvorlage zu beurteilen.“

Das alles ist nicht geschehen!

Lesen Sie weitere Ausführungen und das Fazit von Herrn Marx auf der nächsten Seite!

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