Leserkommentar : Wowereits Dienstwagen: Ein Hightechprodukt, keine Dreckschleuder

In seinem Kommentar nimmt unser Leser Nikolaus Wolff die Kritik an Wowereits Dienstwagen aufs Korn. Diskutieren Sie mit oder schreiben Sie selbst einen Leserkommentar!

Nikolaus Wolff
Sportwagen XXL. Wowereit steckt viel Kritik für seine Limousine ein.
Sportwagen XXL. Wowereit steckt viel Kritik für seine Limousine ein.Foto: Davids/Darmer

Ich bin überrascht. Sehr überrascht. Bisher hatte ich den Tagesspiegel immer als recht gutes und einwandfreies Blatt empfunden. Obwohl: Manchmal wird man das Gefühl nicht los, dass Teile Ihrer Redaktion mit dem Basttäschchen auf dem Hollandrad zur Arbeit kommen. Aber gut.

Ihr Artikel über den Dienstwagen des Herrn Wowereit ist dann doch zuviel. Welcher Klientel wollen sie mit so einem Quatsch Honig um den Bart schmieren? Den Ökos in Kreuzberg, die mit selbst gestrickten Pullis auf Ihrem Hanf-/Graffitibalkon sitzen und selbst angepflanzten Tee trinken oder den Verbrechern der linksautonomen Krawallszene die schon zähnefletschend auf den 1. Mai warten, damit sie diesem ach so bösen Staat mal wieder die Meinung geigen können? Oder vielleicht eher dem linksaktiven, lebensfremden Studienrat mit Intellektuellenbrille der immer noch glaubt, dass Technikfeindlichkeit keine Arbeitsplätze kostet?

Ein Hightechprodukt der Automobilindustrie als Drecksschleuder zu bezeichnen, ist dann doch gelinde gesagt nicht nur Schwachsinn, sondern schlicht und einfach gelogen.

Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass die Elektromobilität immer noch in ihren Kinderschuhen steckt und noch längst nicht serienreif ist. Oder soll der Bürgermeister (dessen Auftreten und Politik ich im übrigen auch nicht schätze) nach 150 Kilometern zurückgelegter Strecke fünf Stunden an der nächsten E-Station - wenn es diese dann da gibt - warten, bis sein Micky-Maus-Auto wieder fahrbereit ist?

Die Ingenieure der Bayrischen Motorenwerke konstruieren Jahr für Jahr neue Wunderwerke der Technik, was das Verhältnis Leistung/Fahrfreude und Verbrauch betrifft und sie nennen das Endresultat eine Drecksschleuder. Glückwunsch. Dafür studiert man dann Journalismus und investiert viel Hingabe und Fleiß, um bei einer großen Zeitung schreiben zu dürfen oder wie soll ich das verstehen ?

Als was bezeichnen Sie denn dann die Modelle der 80er, die in Sachen Schadstoffausstoß und Verbrauch wie wahre Dinosaurier waren? Oder die Wartburgs und Trabies unserer neuen Mitbürger kurz nach dem Mauerfall? Oder die Luftverpestung in China oder Indien?

Die Fahrzeuge unserer Automobilwirtschaft erhalten den Lebensstandard dieses Landes auf einem noch (!) durchschnittlichen Niveau, dieser wird weiter sinken wenn diese Fahrzeuge nicht mehr genügend abgesetzt werden.

Aber seien sie beruhigt: In allen anderen Teilen dieser Welt wo ich in letzter Zeit war (Vereinigte Arabische Emirate, Singapur , Australien , Thailand usw.) weiß man deutsche Autos noch zu schätzen und sie gelten dort schlicht und einfach als das, was sie sind: als die besten Automobile der Welt. Perfekt gebaut, hochwertig verarbeitet und mit Emotionsdesign. Leistung en masse und lächerlicher Verbrauch. Sheer driving pleasure und Vorsprung durch Technik.

Ich hab meine Zweifel, dass die Redakteure des Tagesspiegel das noch erfahren werden. Wie kommen Sie eigentlich im Winter bei Eis und Schnee nach Hause? Im großen Gelben oder mit beheiztem Anhänger an Ihrem Fahrrad?

Ich bin auf Ihre Antwort gespannt wie ein Flitzebogen. Habe mir erlaubt, Ihren Artikel der Entwicklungsabteilung der BMW-Motorenwerke nach München zu faxen. Die können bestimmt keinen Bleistift mehr halten vor lachen.

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