Meinung : Leugnen hilft nicht

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Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“, sagte Adolf Hitler am 22. August 1939 vor SSTodesschwadronen. Das sollte heißen: Auch von der Vernichtung der Juden wird in ein paar Jahrzehnten kaum jemand reden. Hitler hat sich getäuscht, was den Holocaust betrifft. Die Armenier müssen jedoch weiter um die Anerkennung des an ihnen verübten Völkermords kämpfen. Neuerdings auch in Potsdam, wo auf Betreiben der türkischen Regierung ein Hinweis auf den Genozid aus den Lehrplänen gestrichen wurde. Die Türkei leugnet weiter, dass es den Völkermord, dem bis zu 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, überhaupt gegeben hat. Dass nun gerade ein deutsches Bundesland türkischem Druck nachgibt, ist doppelt peinlich. Einmal, weil das Europaparlament klar gemacht hat, dass ein EU-Beitritt der Türkei nur möglich ist, wenn sich das Land seiner Vergangenheit stellt. Zum anderen, weil das Deutsche Reich in gewisser Weise mitgewirkt hat an den Gräueln von 1915/16. Denn in der Armee des im Ersten Weltkrieg mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reiches waren deutsche Militärs in Spitzenpositionen vertreten, deutsche Diplomaten waren über die Vorgänge in Armenien informiert. Es ist dem deutschen Theologen Johannes Lepsius zu verdanken, dass der Massenmord an den Armeniern noch im Weltkrieg einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde. Es stünde der Brandenburger Regierung gut an, die damals begonnene Aufklärungsarbeit nicht 90 Jahre später zu torpedieren.clw

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