Libanon/Ägypten : Auf der Lauer

Wenn Menschen, die 23 Jahre lang unter einem Diktator gelitten haben, plötzlich auf die Straße gehen und das Regime stürzen – wie in Tunesien –, wittern Demokraten das Entstehen einer neuen Demokratie. Und sie freuen sich darauf. Doch im Nahen Osten existiert ein dritter Weg: der Islamismus.

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Libanon hat jetzt einen neuen Staatschef, von Hisbollahs Gnaden. Die Ägypter protestieren an einem „Tag des Zorns“ gegen ihre herrschende Klasse. Die Hamas im Gazastreifen fühlt sich im Aufwind wegen der durch Al Dschasira dokumentierten Kompromissfähigkeit moderater Palästinenser. Was in Tunesien die unverfälschte Sehnsucht nach mehr Freiheit und Mitsprache war, könnte in anderen muslimisch-arabischen Ländern weniger unschuldig motiviert sein. Womöglich springt derzeit nicht der Demokratiefunke von Tunesien über, sondern die Wut der Straße. Die freilich lässt sich von radikalen Kräften instrumentalisieren. In Tunesien ist die Gefahr des Missbrauchs der Emotionen am geringsten. Genau beobachten indes muss man die Entwicklung in Libanon, Ägypten und dem Gazastreifen. Der Demokratietrunkenheit könnte sonst ein böses Erwachen folgen.

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