Meinung : Licht am Ende der Pipeline

Iran, Russland, Katar und Venezuela planen eine Gas-Opec – sollen sie ruhig

Bernd Hops

Wenn es um Energie geht, versteht der Westen keinen Spaß. Die Ankündigung der großen Erdgasförderländer, ein Kartell nach dem Vorbild der Opec ins Auge zu fassen, führt sofort zu lautem Murren. Bleiben demnächst die Heizungen kalt? Oder können sich bald nur noch Besserverdienende warme Wohnungen leisten? Beide Befürchtungen haben mit der Realität nichts zu tun.

Seit der Ölkrise der 70er Jahre kommt immer wieder eine Urangst in den Industriestaaten hoch: die vor einem Scheich, der in der Wüste verrückt spielt und die Lieferungen nach Europa und in die USA einstellt. Auf der Gegenseite sieht es aber ähnlich aus. Die Urangst der Ölstaaten ist, dass der Westen sich unabhängig macht und die riesigen Ölvorkommen nutzlos werden.

Die Opec, die Organisation Erdöl exportierender Länder, wurde nicht gegründet, um den Westen zu erpressen, sondern weil die Abnehmer die Ölproduzenten gegeneinander ausspielten und mit Pfennigbeträgen für den wertvollen Rohstoff abspeisten. Der erste Erpressungsversuch arabischer Ölländer kam später – und scheiterte kläglich. Politische Ziele setzten sie nicht durch. Stattdessen suchte der Westen nach alternativen Energiequellen und eigenen Ölvorkommen. Wie viel moderner die westlichen Volkswirtschaften durch den Schock der 70er Jahre geworden sind, zeigt sich jetzt in Zeiten hoher Energiepreise. Die gestiegenen Kosten werden gut weggesteckt, eine Rezession ist kein Thema.

Ähnlich ist die Situation beim Erdgas. Diesen Energieträger hat der Westen erst in den vergangenen Jahren entdeckt – auch als Alternative zum Erdöl. Die Streitereien zwischen Russland, dem größten Erdgasproduzenten der Welt, und seinen Nachbarn und Kunden Ukraine sowie Weißrussland haben Europa daran erinnert, wie abhängig man von Lieferungen von außen ist. Die anschließende Diskussion der Europäer, ob man sich nicht besser von Moskau als Lieferanten unabhängiger machen sollte, hat Russland wiederum gezeigt, wie abhängig es von den westlichen Verbrauchern ist. Milliardeninvestitionen in Pipelines aus Sibirien lohnen sich nur, solange Menschen hierzulande bereit sind, das Erdgas auch zu verbrennen. Wie beschränkt die Macht eines Kartells ist, zeigt die Entwicklung des Ölpreises. Die Opec konnte nicht verhindern, dass Ende der 90er Jahre ein Barrel nur noch zehn Dollar kostete. Genauso wenig haben es die Kartellmitglieder geschafft, den Anstieg auf mehr als 60 Dollar zu verhindern. Dafür sicherte die Opec die weltweite Versorgung trotz Irakkrieg und der gestiegenen Nachfrage aus China und Indien.

Deshalb ist auch die Gründung einer Opec fürs Erdgas per se kein Drohsignal. Sie zeigt höchstens, wie schwach sich die Förderländer mittlerweile fühlen. Schon in wenigen Jahren werden die Energiemärkte angesichts milliardenschwerer Investitionen des Westens in Biospritanlagen, sparsamere Motoren und alternative Energien für die Strom- sowie Wärmerzeugung anders aussehen als heute.

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