Linke gegen Rechte : Geistiger Kurzschluss

Es gibt keine direkte Ableitung vom Wort des einen zur Tat des anderen. Klaus Ernst, Vorsitzender der Linkspartei, kann also nicht der CSU eine Mitschuld an Anschlägen auf Büros seiner Partei geben.

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Ein 13-Jähriger, der eine Kippa trug, ist am Sonntag gegen 11 Uhr 30 in der Kolmarer Straße von einem Unbekannten antisemitisch beleidigt und mit einer Kunststoffstange auf den Arm geschlagen worden. Der Junge erstattete in einem nahen Polizeiabschnitt Anzeige, die Beamten konnten den Täter jedoch nicht mehr finden. So weit eine Polizeimeldung aus Berlin vom Wochenende. Der Täter ist weg, aber wer könnte ihn angeregt, ermuntert, angestiftet haben? Vielleicht die Linkspartei?

Eine bösartige Spekulation, wie so viele derzeit, wie zum Beispiel die von Klaus Ernst, dem Vorsitzenden der Linkspartei. Ernst gibt der CSU eine Mitschuld an Anschlägen auf Büros seiner Partei, weil deren Generalsekretär Alexander Dobrindt fordert, ein Verbotsverfahren gegen die Linke zu prüfen. Dadurch, so Ernst, werde ein Klima geschaffen, in dem sich Rechtsextremisten zu Attacken ermutigt fühlten. Aber wenn das so ist, kann es dann nicht auch sein, dass sich Antisemiten von den israelfeindlichen Sprüchen und Taten einiger Funktionsträger der Linken ermutigt fühlen, einen jungen Juden zu attackieren? Kann es dann vielleicht auch sein, dass sich Autonome ermutigt fühlen, den klassenkämpferischen Parolen der Linkspartei gegen vermeintliche und tatsächliche Gentrifizierer Taten folgen zu lassen und deren Autos und Wohnungen zu zerstören? Und hat sich die Linkspartei nicht sauwohl gefühlt im Klima der Rosa-Luxemburg-Konferenz, bei der ihre zweite Vorsitzende Gesine Lötzsch das hohe Lied auf den Kommunismus singen wollte, Seit’ an Seit’ mit der Exterroristin Inge Viett, die auf eben jener Konferenz das Abfackeln von Bundeswehrausrüstung für legitim erklärte?

Viett muss sich vor Gericht verantworten, wegen der öffentlichen Billigung einer Straftat. Ein Klima zu schaffen, ist dagegen nicht verboten. Aber verantwortungslos, das kann es schon sein, dieses Klimaschaffen, und in Verbindung mit Scheinheiligkeit ist es besonders unangenehm. Warum ist es „natürlich“, wie der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel meint, dass es in einer Gesellschaft, „in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert“, auch Verrückte gibt, die „härtere Maßnahmen“ anwenden? Die direkte Ableitung vom salbadernden Wort des einen zur brutalen Tat eines anderen führt unmittelbar zum Kurzschluss und ist so aufschlussreich wie die Erkenntnis, dass auf Sonnenschein auch wieder Regen folgt und manchmal sogar ein Gewitter, zumal dann, wenn es im Wetterbericht steht.

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