Linke : Rettet sie vor dem Retter

Als Retter in der Not wollte Oskar Lafontaine sich rufen lassen. Nach den Wahldebakeln in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sollte die Linke sich auf den Mann besinnen, der die Partei im Westen einst populär gemacht hat. Monatelang ließ der Saarländer seine Genossen darüber im Ungewissen, ob er Anfang Juni auf dem Parteitag in Göttingen als Parteichef kandidieren will. Nun hat er seinen Anspruch deutlich gemacht: Er sei bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, aber nur, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt. Eine Kampfkandidatur wäre schließlich „nicht der krönende Abschluss meiner Karriere“, sagt der 68-Jährige. Am liebsten würde er der Partei ein Personaltableau nach seinen Vorstellungen diktieren. Mit dieser Überheblichkeit brüskiert der frühere Linken-Vorsitzende Lafontaine nicht nur seine Partei, sondern reißt auch wieder Gräben zwischen Ost und West auf. Mit dem Versuch, den Einfluss des ostdeutschen Reformers Dietmar Bartsch um jeden Preis begrenzen zu wollen, hat Lafontaine viel destruktive Energie in der Linkspartei entfesselt. Dadurch, dass er seine persönlichen Ambitionen so lange nicht deutlich machte, hat er außerdem eine offene Debatte über das künftige Spitzenpersonal der Linken und den Kurs der Partei verhindert. Das fällt jetzt nicht nur auf ihn persönlich, sondern auch auf die Linke zurück. ce

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