Links-Partei gratuliert nicht : Auf die nächsten 86 Jahre, lieber Fidel!

13.08.2012 23:22 Uhrvon
Keine Zeit zu feiern: Für die Linke-Parteiführung gibt es Drängenderes als Fidel Castros 86. Foto: dapd
Keine Zeit zu feiern: Für die Linke-Parteiführung gibt es Drängenderes als Fidel Castros 86. - Foto: dapd

Der neue Linke-Chef Riexinger lässt eine der erhabensten Traditionen seiner Partei schleifen, die unverbrüchlichen Solidarität des proletarischen Internationalismus. Es gebe "drängendere Probleme" als Geburtstagsgrüße an den Genossen Fidel.

Es ist auch für altgediente Beobachter der deutschen Politik immer noch ein wenig schwierig, die Worte „Linke-Parteichef Bernd Riexinger“ zu lesen und in Verbindung mit einer bestimmten Person zu bringen. Die lötzschige Trutsch und der krachmandelnde Klaus „911“ Ernst, das war noch Urgestein linker Prägung, von Ur-Urgesteinen wie Gysi und Lafontaine gar nicht erst zu reden.

Aber was nun Riexinger angeht, so müssen wir fürchten, dass er auch noch die erhabensten Traditionen seiner Partei schleift, die in der unverbrüchlichen Solidarität des proletarischen Internationalismus (oder internationalen Proletarismus?) zu suchen sind.

Auf die Frage, was denn dieses Jahr mit den Glückwünschen an den Genossen Fidel Castro sei – er wird 86 –, sagte Riexinger: „Wir haben, glaube ich, gerade drängendere Probleme.“ Noch vor einem Jahr hatten Lötzsch und Ernst dem Comandante zu seinem „kampferfüllten Leben und erfolgreichen Wirken“ gratuliert und die „beispiellosen sozialen Errungenschaften“ des Landes gewürdigt.

Drängendere Probleme! Das muss man sich mal vorstellen. Da hockt der greise Ursozialist nun in Havanna, Wünsche hat er keine mehr, die Zigarre will nicht schmecken und den Cuba Libre hat der Arzt schon lange verboten. Verdrossen blättert er in den wenigen Glückwunschkarten, Chavez, Achmadi- Dings, Noam Chomsky, die „Junge Welt“, alles wie immer, nur eben ...

Fidel Castros Leben in Bildern:

„Wo ist die Karte aus Berlin?“, fragt Castro seinen Bruder, und der antwortet: „Keine da, aber das wundert mich nicht, das da in Berlin sind doch ohnehin nur noch so grün gefärbte linke Sozis.“

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann. Foto: TSP
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann. - Foto: TSP

Ja, da offenbart sich die ganze Tragik eines erfüllten Sozialistenlebens. Da hat man nun sorgfältig Freund und Feind sortiert, hat die jeweilige Opposition und die eigenen Bürger vorschriftsmäßig unterdrückt, Rebellen in den entlegensten Ländern ausgebildet und war selbst jenen, die sich mit Nordkorea und anderen Zentren der Orthodoxie nicht anfreunden konnten, so etwas wie ein Licht im Dunkel. Nieder mit den kapitalistischen Ausbeutern, und das mit bunten Straßenkreuzern und zwölf Sonnenstunden pro Tag!

Und nun: aus. Nur weil einer wie Bernd Riexinger glaubt, er habe drängendere Probleme. Wir können im Sinne des proletarischen Proletarismus nur hoffen, dass wenigstens der eine oder andere Linkspartei-Grande heimlich eine SMS geschickt hat. „Auf die nächsten 86 Jahre, dein :-)))“

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Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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