Linkspartei : Doppelt hält schlechter

Die Linke: Das sind unverändert zwei Parteien. Die vertragen sich jetzt gar nicht mehr.

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Oskar Lafontaine am Sonntag auf einer Strategiekonferenz.
Oskar Lafontaine am Sonntag auf einer Strategiekonferenz.Foto: dpa

Es soll keiner sagen, die Linkspartei hätte nicht genug Zeit gehabt. Seit zwei Jahren dümpelt sie mit einer mittelmäßigen und glücklosen Führung vor sich hin, von Peinlichkeit zu Scharmützel zu Flügelkampf. Und von Wahlniederlage zu Wahlniederlage. Ihr Ruf, frecher zu sein als die anderen, radikaler und vielleicht sogar – trotz der SED- und PDS-Vorgeschichte – irgendwie neu, ist verspielt. Nicht mal an die Protestpartei glaubt der Wähler noch.

Jetzt hat die Linke gerade zwei Wochen Zeit, um zu kitten, was nicht mehr zusammenpasst. Dann soll in Göttingen eine neue Spitze gewählt werden. Und bang fragen sich die Genossen: Kann, darf, muss Oskar Lafontaine noch einmal der Retter sein?

Die derzeit größte Gefahr der Linken ist, dass Lafontaine wirklich versuchen wird, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Aber, so wie er das angefangen hat und wie die Dinge liegen, wird es ihm nur gelingen, sein Projekt Linke ein wenig im Dreck zu wälzen. Dass sich Lafontaine ein gutes Team als Bedingung für eine Kandidatur wünscht, ist noch nachvollziehbar. Dass er in Göttingen den krönenden Abschluss seiner politischen Karriere wünscht, dafür den Wettbewerb mit seinem Widersacher Dietmar Bartsch ausschließt, ist hingegen absurd.

Nichts wird mehr so spektakulär sein wie bei der SPD 1995 in Mannheim, als er Rudolf Scharping stürzte. Und nichts mehr so schön wie bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009, als er die Linke in Rekordhöhen hievte. Denn das hat Lafontaine dann doch nicht vermocht: eine nicht nur dem Anspruch nach gesamtdeutsche Partei zu bilden. Die Linke ist nach wie vor – zwei Parteien.

Doch wer soll dieses Bündnis dann führen? Selten gab es so viele ratlose Genossen wie in diesen Tagen. Der amtierende Chef Klaus Ernst erscheint nur noch als Witzfigur, die um rasche Ablösung durch Lafontaine bettelt. Und Gesine Lötzsch hat zwar zu einer gewissen Übersichtlichkeit verholfen, als sie vom Vorsitz zurücktrat, um ihren alten und kranken Mann zu pflegen. Weil Lötzsch zugleich ihre Kandidatur in Göttingen zurückzog, gibt es nun gar keine Bewerberin mehr für die quotierte Doppelspitze. Es scheint, dass niemand mehr sich den Vorsitz antun will, weil das Scheitern so naheliegt.

Existenziell ist die Krise nicht, weil Lafontaine zwei Jahre lang gefehlt hat. Denn der Saarländer hat bis zuletzt auch ohne wichtigen Posten in die Partei hineinregiert. Die Krise der Linken ist existenziell wegen Lafontaine.

Im vergangenen Sommer hat der gute alte Lothar Bisky daran erinnert, dass er 1989 mit Parteifreunden angetreten sei, um die „alten Säcke“ aus dem Politbüro zu vertreiben. Viel zu spät macht sich jetzt an der Basis eine Wir-sind-die-Partei-Stimmung breit. Aber dieser Bewegung fehlt die Kraft, um die eigenen alten Kader, Lafontaine, Gregor Gysi und – ja auch – Bartsch zu entmachten. Wenige jüngere Talente gibt es: Sahra Wagenknecht, die auch im konservativen Milieu Aufsehen erregt. Oder Katja Kipping, die geschickt Bündnisse zu anderen Parteien knüpft. Doch auch die haben keine Lust auf die Abwicklung einer kaputten Partei. Anderen fehlt es an Bekanntheit oder Format.

Vielleicht ist es einfach so: Nicht nur Politiker kommen und gehen, sondern auch Parteien. Die Linke hat ihre Zeit gehabt.

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