Linkspartei : Lafontaine, der große Unzeitgemäße

Mit seinem Rückzug von der Kandidatur um den Parteivorsitz ist die Karriere Oskar Lafontaines wohl zu Ende. Auch seine Partei kämpft jetzt endgültig ums Überleben.

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Die Linkspartei kämpft jetzt endgültig ums Überleben. Oskar Lafontaine trägt daran eine Mitschuld.
Die Linkspartei kämpft jetzt endgültig ums Überleben. Oskar Lafontaine trägt daran eine Mitschuld.Foto: dapd

Das wird im Gedächtnis bleiben, neben allem anderen: Wenige Politiker haben Zeitläufe so vorhergesehen wie er. Das gilt für die Entwicklung der deutschen Einheit wie für die einer weltweit unbeaufsichtigt operierenden Finanzindustrie. Oskar Lafontaine ist der große Unzeitgemäße, darin übrigens Franz Josef Strauß nicht unähnlich. Das gilt auch für dieses seltsam Frontale, das schnell Polarisierende. Dennoch hat es ihn weit gebracht, in zwei Parteien. Die SPD ist seine Heimat, tief im Herzen, die Linke sein politischer Anspruch, immer gewesen. Als Partei allerdings ist sie ein kompliziertes Konstrukt, bis heute nicht homogen. Und Lafontaine, der sie einst mit seiner westdeutschen Politprofessionalität zusammenfügte, hat mit all seiner verbliebenen Macht an diesem Konstrukt gerüttelt. So heftig, dass sein zweites großes Werk nach dem Wahlsieg 1998, eben die Erfindung der neuen Linken, zu zerbrechen droht. Daran trägt er eine Mitschuld.

Er hatte die Linke freigelassen, damit sie ihn als Partei überdauert. Weil er aber nicht loslassen kann, kämpft die Linkspartei jetzt endgültig um ihr Überleben. Damit endet Lafontaines Karriere. Nicht großartig im Scheitern, nur traurig.

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