Lisa Ortgies : „Von der Geißel Sex befreit“

Die künftige „Emma“-Chefin kennt die neuen Herausforderungen der Frauen von heute.

Sonja Pohlmann

Wie eine knallharte Feministin sieht Lisa Ortgies auf den ersten Blick nicht aus. Hübsch geschminkt, mit sportlicher Kleidung, blonden Locken und einem sympathischen Lächeln widerlegt sie das Klischee, dass Frauenrechtlerinnen sackartige Kleider tragen, keinen Lippenstift benutzen und verbissen für Frauenrechte kämpfen müssen. Denn die 41-jährige Journalistin klettert nun auf einen der wichtigsten Stühle, den die Feministinnen Deutschlands zu vergeben haben: Ortgies wird Chefredakteurin der Frauenzeitschrift „Emma“. Ab Frühjahr 2008 folgt sie Alice Schwarzer, Gründerin und Herausgeberin des Magazins und einer der obersten Frauenrechtlerinnen des Landes.

Ortgies steht ihr als Expertin für frauenpolitische Themen in nichts nach. Beim WDR moderiert sie seit 1997 die Sendung „Frau-TV“, in der es um Sexualität, Psychologie, Schönheit und Partnerschaft geht. Laut Sender steht sie für eine „lustvoll weibliche Sicht auf die Dinge des Lebens, ohne dabei einer klassisch feministischen Perspektive verhaftet zu sein“. Seit 2005 arbeitet sie auch als Kolumnistin für die „Emma“ und schreibt über Männer – etwa darüber, warum ältere Männer eine Vorliebe für junge Mädchen haben, oder darüber, ob Frauen „dem lieben Gott dankbar sein“ sollten, dass er sie im letzten Drittel ihres Lebens „von der Geißel Sex“ befreit habe. Außerdem hat sie zwei Bücher verfasst.

Gleichzeitig ist die Journalistin Mutter von zwei Kindern und mit einem Unternehmensberater verheiratet. Vielleicht gerade deshalb wird Ortgies der „Emma“, die kürzlich ihr 30-jähriges Bestehen feierte, guttun. Denn während Alice Schwarzer früher für das Recht auf Abtreibung kämpfte oder sich gegen die sexuelle Unterdrückung von Frauen einsetze, stehen Frauen heute vor neuen Problemen: Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, ist eine Herausforderung, die Ortgies kennt.

Schwarzer lobte ihre Nachfolgerin bereits in höchsten Tönen: „Sie ist eine sehr lebendige, tolle, temperamentvolle Person“, zudem selbstbewusst und tough. „Emma“ gewinne mit ihr nicht nur eine erfahrene und engagierte Kollegin an der Spitze, sondern auch eine Frau, die an der Front aktueller Herausforderungen kämpft.

Wie man mit Machos umgeht, hat Ortgies übrigens schon vor ihrem Soziologie- und Psychologiestudium gelernt. Damals arbeitete sie als Stewardess – und wird entsprechende Sprüche wohl schon damals auf angenehm ironische Art pariert haben.Sonja Pohlmann

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