Meinung : Live-Fußball ist eben woanders Die „Sportschau“ boomt nicht bei den Einschaltquoten

Joachim Huber

Ach, was war der Slogan euphorisch: „Football is coming home“, jubelte die ARD, als der Sender die Fernsehrechte für die Bundesliga-Zusammenfassung eingekauft hatte. Damit, so hofften die Macher, werde der Mythos von der „guten alten Sportschau“ wiederbelebt. Der Zuschauer bebe vor Verlangen nach dem schnöden Spielbericht ohne die ärgerlichen „ran“-Effekte: Bilder von nasebohrenden Trainern, witzelnde Moderatoren und ein trampelndes Studiopublikum.

Dann, ab 2. August, die „Sportschau“: schnörkellos, fast bieder in der Machart, mit dem Tunnelblick auf den rollenden Ball. Der Schluss der Macher, dass eine „Sportschau“ im heruntergedimmten „ran“-Format massenhaft Zuschauer anziehen würde, ist ein Trugschluss. Die Einschaltquoten bröckeln, die Zahl der Premiere von rund 4,9 Millionen Zuschauern ist nach nur vier Ausgaben auf unter 4,5 Millionen gesunken. Die „Sportschau“ steuert auf „ran“-Niveau zu.

Das Suchtverhalten der Fußball-Fans spricht gegen einen Quotenflug der „Sportschau“. Die Hardcore-Fans gehen ins Stadion, die Klubs können über mangelnden Zuspruch wirklich nicht klagen. Die Semi- Süchtigen gehen ins Fernseh-Stadion – zum Abo-Fernsehen Premiere. Der Bezahlsender überträgt als einzige TV-Station alle Spiele live. Seitdem Premiere attraktive Abo-Preise anbietet, steigt die Zahl der Kunden unaufhörlich. Ende Juli waren es 2,7 Millionen, bis Ende des Jahres sollen es 2,9 Millionen sein. Jeder neue Premiere-Kunde hat schon „ran“ geschadet, und jeder weitere Abonnent wird auch der „Sportschau“ schaden.

Das Fernsehen, von der ARD über RTL bis zum ZDF, hat dem Zuschauer dieses Verhalten antrainiert: Fußball findet im Fernsehen live statt. In den Programmen werden die Wettbewerbe, ob bedeutend oder nicht, rauf und runter gezeigt. Der Zuschauer sagt da nicht Nein und holt sich den Live-Fußball dort, wo er ihn geboten bekommt – und sei es zum Preis eines Premiere-Abonnements. Und weil die Premiere-Macher nicht dumm sind, bieten sie im Anschluss an den Live-Spieltag gleich die erste Zusammenschau. Der Fernseh-Fußballfan hat bei Premiere die Liga schon inhaliert, noch ehe im „Sportschau“-Studio die Lichter angehen.

Der ARD zum Trost: Das ZDF-„Sportstudio“ am Samstagabend ist viel ärmer dran. Die Zusammenfassung der Bundesliga-Zusammenfassung im Zweiten wollen nur noch so wenige sehen, dass die Sendung demnächst erst um 23 Uhr starten wird.

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