LKA Thüringen : Klopapier gegen den braunen Mist

Die Aufregung um das Thüringer Landeskriminalamt in der NSU-Affäre ist groß. Unser Kolumnist Helmut Schümann hat nun eine Erklärung für das fragewürdige Verhalten der Behörde gefunden.

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Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Das Thüringer Landeskriminalamt, das schon wieder, denkt man unwillkürlich. Als wenn das nicht schon genug in der Bredouille wäre? Haben ja alles falsch gemacht in der Angelegenheit des rechtsextremen Terrortrios NSU, haben einen möglichen vorzeitigen Zugriff vermasselt, haben Akten verschludert. Also, sie haben nicht alles falsch gemacht, eigentlich haben sie gar nichts falsch gemacht, weil, wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Das LKA Thüringen ist heftig gescholten worden in den vergangenen Monaten bis hin zu Fragen nach seiner Existenzberechtigung.

Möglicherweise muss aber nun die Geschichte neu aufgerollt und umgeschrieben werden. Es ist entlastendes Material aufgetaucht, Material, das belegt, dass das LKA anscheinend ziemlich schuldlos war an den vielen Pannen. Die Thüringer hatten schlicht keine Zeit, sich um rechtsextreme Terrorgruppen zu kümmern, sie waren nämlich einer wirklich großen Sache auf der Spur. Wobei das mit den großen Sachen wörtlich zu nehmen ist, und zwar in dem Sinn, in dem Mami den Kleinen fragt, ob er nun groß oder klein müsse. Große Sache also. Anfang 2011 hatte sich das Reinigungspersonal beschwert, dass in der LKA-Außenstelle Waltersleben immer wieder Klopapier entwendet würde. Ganze Rollen würden verschwinden, die dann beim großen Geschäft fehlen. Es bedurfte dringender Aufklärung, wahrscheinlich war Gefahr im Verzug, es ist ja mehr als misslich, wenn man nach Verrichtung feststellen muss, „Oh, Kacke, Klopapier ist schon wieder geklaut!“ Also installierte das LKA Thüringen eine Kamera am Klopapierlagerplatz und zeichnete diesen verschwiegenen Ort acht Wochen lang auf. Wegen der Brisanz konnten Personalrat und Mitarbeiter nicht vorab informiert werden.

Es ist nur zu verständlich, dass das LKA Thüringen nicht auch noch Neonazis jagen konnte. Niemand kann sich gleichzeitig um alles kümmern, da müssen Prioritäten gesetzt werden. Man sollte nun nicht vorschnell urteilen und dem LKA vorwerfen, die falschen Prioritäten gesetzt zu haben. Schließlich hat die Behörde verantwortungsbewusst gehandelt. Wozu ist Klopapier da? Genau, um den braunen Mist wegzuwischen. Klopapier ist zur Naziabwehr unerlässlich. Im Übrigen wurde die Aktion nach zwei Monaten abgebrochen. Ergebnislos. Mit der Installation der Kamera ließen die Diebe von ihrem staatsgefährdenden Treiben ab. Denkbar, dass sie von einer undichten Stelle gewarnt worden waren.

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