Lockerbie-Attentäter frei : Blut für Öl

Es ist eine humanitäre Geste, die politischen Sprengstoff enthält. Die vorzeitige Haftentlassung des todkranken Lockerbie-Attentäters Megrahi spricht für das schottische Rechtssystem - aber es steckt mehr dahinter.

Andrea Nüsse

Das Rechtssystem der Schotten beherzigt seine humanitären Grundsätze und lässt sich auch durch Druck der US-Regierung nicht davon abbringen. Dennoch hat die Entscheidung des schottischen Justizministers einen unguten Beigeschmack. Denn wäre er nicht todkrank, hätte der libysche Ex-Geheimdienstmitarbeiter wohl bald dank eines Gefangenenaustauschs in seine Heimat zurückkehren können. Ein solches Abkommen hatte Ex-Premier Tony Blair schon 2007 verabredet und ungewohnt hastig durch das Parlament gepeitscht. Denn die Inhaftierung Megrahis verhinderte, dass die britischen Energiekonzerne Zuschläge für die lukrative Ausbeutung der libyschen Gas- und Ölvorräte bekommen. Ironie der Geschichte: Auch die USA bemühen sich stark, einen Fuß in das Geschäft zu bekommen. Das ging jedoch besser, solange Megrahi in Haft saß. Die öffentliche Meinung in den USA, aus denen ein Großteil der Lockerbie-Opfer stammte, wird der Annäherung nun einen Dämpfer verpassen. an

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