Meinung : LOCKERUNGSÜBUNGEN ZUM WAHLKAMPF Ein bisschen Bluna

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Von Harald Martenstein

Irgendwann ist jeder Depp ein so genannter Zeuge des Jahrhunderts. Da musst du nichts für tun, bloß durchhalten. Unsereins zum Beispiel gehört zu dem leider immer kleiner werdenden Personenkreis, der sich an sämtliche Bundeskanzler live erinnern kann. Jawohl, der Sagen umwobene Göttervater Adenauer hat unserer Generation auf dem Schulweg vom Plakat herab zugezwinkert. Ludwig Erhard habe ich im Morgengrauen unserer Demokratie sogar persönlich auf der Toilette einer süddeutschen Stadthalle getroffen – gewiss, wir standen einander nicht sonderlich nah, dennoch respektierten wir uns. Und zu Kurt Georg Kiesinger (Spitz „Häuptling Silberzunge“) habe ich, aus jugendlichem Übermut, „Nazi! Nazi!“ gesagt, als Mitglied eines Sprechchores (Tenor) bei einer Wahlveranstaltung in Wiesbaden-Nordenstadt. Das hat mir dieser feine alte Herr nie verziehen, der inzwischen längst bei Thor, Odin und Freya weilt oder wo immer die braven NSDAP-Mitglieder nach dem Tode als Engelchen hinkommen. Die unfolgsamen NSDAP-Mitglieder werden bekanntlich als Nuba wiedergeboren.

Fragt uns! Wir sind die Letzten! Und wie lautet unsere Botschaft? Nun, sie lautet folgendermaßen, wenn ich es einmal an dieser Stelle, sozusagen frank und frei…

Chor der Leser: Nun komm zur Sache! Wir sterben vor Langeweile! Tempo, Mann!

Niemals in der Geschichte der Bundesrepublik hat es einen dermaßen langweiligen Wahlkampf gegeben, nicht einmal unter Kohl. Wir, die Alten, sagen Euch, den Jungen: Im Vergleich zu Edmund Stoiber ist selbst Erich Ollenhauer als Kanzler-Herausforderer eine Stimmungskanone gewesen und Gott im Himmel weiß am besten, wie langweilig Ollenhauer ist. Denn seit Ollenhauer im Himmel ist, schläft Gott aus Langeweile dauernd ein, das ist nämlich in Wahrheit der Grund für die Klimakatastrophe. Und seit Wahlkampf herrscht, wird sogar Schröder immer langweiliger. Das so genannte Duell war die langweiligste Fernsehsendung des Jahres. Die „Berliner Runde“ die zweitlangweiligste. In den meisten Fragen sind sie sich eh einig, und worüber sie streiten, kapiert kein Mensch. Steuerfragen! Wenn ich das schon höre! Die drittlangweiligste Sendung…

Chor der Leser: Nun sei doch mal konstruktiv! Biete uns eine Lösung an!

Die Lösung: Helga Zepp-LaRouche. Seit dem Anbeginn aller Zeiten kandidiert sie für den Bundestag, und zwar als Kanzlerkandidatin einer dubiosen Kleinstpartei, die hin und wieder ihren Namen wechselt. Zur Zeit heißt sie „BüSo“. Über die BüSo kursieren, seit ich denken kann, wilde Gerüchte – entweder steckt der CIA dahinter, oder Scientology, oder Opus Dei. Ich überlege, in diesem Jahr aus Protest BüSo zu wählen – damit es wieder eine echte Opposition gibt und damit wir alle wieder vorfreudig die „Berliner Runde“ einschalten. Schalten Sie einstweilen mal in die BüSo-Wahlspots hinein! Nur Helga Zepp-LaRouche hat noch diesen destruktiven Nervensägen-Charme, dieses visionäre Irresein, wie auch Franz Josef Strauß oder Petra Kelly es hatten. BüSo fordert übrigens, eine Landverbindung zwischen Asien und Amerika zu schaffen, also die Beringstraße zuzuschütten. Dies sei die Lösung unserer Wirtschaftsprobleme. Visionen! Solche Politiker wie Helga Zepp LaRouche werden heute nicht mehr gemacht.

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