Meinung : LOCKERUNGSÜBUNGEN ZUM WAHLKAMPF WM für Sozialisten

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Nach allen Regeln der politischen Erfahrung war der Sieg gegen Paraguay ein Erfolg für Gerhard Schröder. Denn wenn die Deutschen unter Kanzler Schröder sogar Kamerun oder Paraguay besiegen können, dann werden ihnen auch Staatsverschuldung oder Arbeitslosigkeit nichts anhaben können. So empfinden es viele Leute. Paraguay ist für sie quasi die Arbeitslosigkeit unter den Fußball-Nationen. Wir, die Leute, sind ganz schön blöd, was? Auch die Bundestrainer und die Bundeskanzler werden gerne miteinander verglichen, mit dem Ergebnis, dass sie Zwillingsbrüder sind. Adenauer und Herberger (autoritär, haben Wunder vollbracht), Willy Brandt und Helmut Schön (Reform, Amore, Hullygully). In Helmut Kohl passen zwei Trainer hinein, Beckenbauer für die erfolgreiche Frühzeit und Berti Vogts für das grausame Ende. Dabei kann man nichts falsch machen, im Nachhinein passt für den geschickten Chronisten immer alles zusammen. Weil beide, Kanzler und Bundestrainer, der gleichen Zeit angehören und abends die gleiche „Tagesschau" kucken, werden sie schon ein bisschen was gemeinsam haben, alles andere wäre ja pervers.

Ist Rudi Völler also der Schröder unter den Bundestrainern? Beide sind, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, große Kommunikatoren, sie wirken sympathisch, sogar ehrlich, beiden verzeiht das Publikum auch mal eine Panne. Beide haben den Laden in einer schwierigen Situation übernommen, Pragmatiker, mit Reformversprechen im Munde, die sie nur teilweise eingelöst haben. Beide sorgen für gute Stimmung. Aber bei beiden weiß man immer noch nicht genau, für welche Inhalte sie eigentlich stehen. Bei beiden ist noch offen, ob sie nur ein Intermezzo sind oder ob ihnen wirklich eine Ära vergönnt ist.

Der politische Trend der WM dagegen war bisher bemerkenswert klar: gegen das Individuum, für die Gemeinschaft. Gegen die Besserverdienenden und Hochbegabten. Gegen die FDP. Nicht nur die Millionärs- und Starensembles scheitern (Argentinien, Frankreich, Portugal). Es scheitern generell Teams, die auf die Kreativität von Einzelkönnern setzen, wie Nigeria oder Kroatien. Es siegen geschlossene Mannschaften ohne herausragende Könner, es siegen die Taktik, der Teamgeist, der Kampf. Das kann schön und kultiviert aussehen wie bei Mexiko, Südkorea oder Senegal, es kann auch der temperamentvolle Fight sein wie bei den Iren oder Schweden. Es ist eine Weltmeisterschaft der Mannschaften, nicht der Stars. Es ist keine Fischer- oder Westerwelle-WM. Vor allem Portugal erinnert an die FDP, ein kleines Land, gestartet als Geheimfavorit, dann kamen interner Streit und dumme Fouls. Nein, diese Weltmeisterschaft hat eindeutig etwas sozialdemokratisches, wenn nicht sozialistisches.

Auch Deutschland hat, wie man jetzt plötzlich erkennt, ein typisches Siegerteam dieser Jahre. Ein Team aus vielen eher durchschnittlichen Spielern, aber mit dem notwendigen Kampf- und Mannschaftsgeist. Der Unterschied zu Südkorea oder Irland besteht darin, dass die Deutschen mit Kahn, Klose, Ballack und Hamann halt doch ein paar Spitzenleute in ihrem Team haben. Und Schröder? Die SPD nutzt den Zeitgeist nicht, sondern spielt genau wie Frankreich. Eine überalterte Mannschaft. Titelverteidiger. Kaum junge Talente. Gerhard Schröder ist der Zidane der SPD, alles hängt von seiner Form ab.

Nicht die SPD, sondern die CDU spielt zur Zeit wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Ein ausgeglichenes Team, nicht sehr aufregend, mit ein paar Spitzenleuten wie Wolfgang Schäuble oder Lothar Späth. Die CDU hat allerdings auch einen Carsten Jancker, der den Ball selten trifft, das ist der Generalsekretär Laurenz Meyer. Und was macht die SPD? Sie schickt sich an, einen neuen Mann in ihr Team aufzunehmen. Der neue SPD-Hoffnungsträger ist nicht mehr ganz jung und hat zuletzt in einem eher unwichtigen Verein gespielt, im Auswärtigen Ausschuss. Jetzt soll er Tore schießen. Sein Vor: Hans-Ulrich. Sein Nachname: Klose.

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