Meinung : Logiergebühr

„Charité wieder in der Kritik“

vom 20. Dezember

Ich muss mich sehr wundern, dass der Tagesspiegel sich dem derzeit so angesagten Charité-Bashing anschließt: Eigentlich hätte die Überschrift lauten müssen: Bezirk kann Obdachlose nicht mehr unterbringen!

Nach Darstellung des Sozialdienstes der Charité ist der Vorgang völlig korrekt verlaufen: Nachdem die Wohnungslosigkeit des Patienten bekannt war, wurden durch Einschaltung der Sozialen Wohnhilfe und des Sozialpsychiatrischen Diensts die verantwortlichen Stellen umgehend informiert, die für die Unterbringung des Mannes nach dessen Entlassung verantwortlich gewesen wären. Die lakonische Mitteilung des Sozialstadtrats, dass keine Unterbringungsmöglichkeit zur Verfügung stehe, kann nicht dazu führen, die Verweildauer eines Patienten ohne akute Behandlungsbedürftigkeit im Krankenhaus weiter zu verlängern.

Gerade die Linke moniert mantramäßig das Verschleudern finanzieller Ressourcen, und nun die heuchlerische Empörung über die herzlose Entlassung eines Obdachlosen, der vom Bezirk nicht versorgt werden kann? Meines Wissens werden die Transporte ohnehin von unabhängigen Anbietern geleistet, was ist der Charité also anzulasten? Der Termin im Bezirksamt war ja wohl abgesprochen.

Ich musste mich anlässlich einer kurzen akuten stationären Behandlung in der Charité gerade selbst davon überzeugen, unter welch enormem Zeitdruck die Ärzte und Pfleger dort arbeiten. Ich wünsche mir, dass meine Versichertenbeiträge und Steuern dafür eingesetzt werden, Patienten adäquat und menschenwürdig zu fairen Löhnen versorgen zu können, und nicht als Logiergebühr für Menschen genutzt werden, die von der zuständigen Behörde nicht versorgt werden können.

Gudrun Schmalenbach, Berlin-Steglitz

Da nimmt also die Charité jemanden akut auf (4.12.) und kümmert sich umgehend (5.12.) um die weitere Versorgung, da es sich hier um eine Fehlbelegung eines Krankenhausbettes handelt.

Das Sozialamt ist aber auch noch elf Tage später überrascht und überfordert, der Obdachlose soll weiter im Krankenhaus bleiben.

Sind Ihnen eigentlich die Kosten einer (fachlich nicht erforderlichen) Unterbringung in einer (Universitäts-)Klinik klar? Für das Geld können Sie den Betroffenen mit Vollpension in einem der die Charité umgebenden Hotels unterbringen und haben immer noch Kosten eingespart!

Dr. med. Klaus Thierse, Berlin-Frohnau

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