Lohn nicht üppig : Politiker fühlen sich minderwertig - Dienstwagen helfen

Wie soll ein Wirtschaftsminister mit Selbstbewusstsein amtieren, wenn er nur halb so viel verdient wie ein Investmentbanker im ersten Lehrjahr? Zum Glück gibt es Dienstwagen. Auch für den Skiurlaub.

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Nur die letzte der bekannten Dienstwagen-Affären: Der Maserati "Quattroporte" der Treberhilfe Berlin fährt am 22.02.2010 mit der Aufschrift "Rundfahrten durch das soziale Berlin" nach einer Pressekonferenz durch die Straßen der Hauptstadt. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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21.01.2011 09:40Nur die letzte der bekannten Dienstwagen-Affären: Der Maserati "Quattroporte" der Treberhilfe Berlin fährt am 22.02.2010 mit der...

Unsere Politiker verdienen ganz anständig. Aber nicht üppig! Und daraus entsteht ein Gefühl der Minderwertigkeit. Denn wie soll beispielsweise ein Wirtschaftsminister mit Selbstbewusstsein und Autorität amtieren, wenn er nur halb so viel verdient wie ein 24-jähriger Investmentbanker im ersten Lehrjahr? Bitte, wir wollen das nicht unterschätzen, da läuft was auseinander in der Gesellschaft, man könnte sogar sagen, dass die Schere zwischen Sehrgutverdienenden und Reichen immer weiter aufgeht. Sprengstoff.

Der Staat weiß das natürlich, und deshalb stellt er den besten seiner Diener Dienstwagen zur Verfügung, die die Lücke zumindest emotional schließen helfen. Das Größte ist gerade gut genug, nicht nur für die Seele des Politikers, sondern auch für seine Arbeit. Er hat bekanntlich stets ein gewaltiges Aktenstudium zu absolvieren, während er im Dienste des Steuerzahlers beispielsweise von Tempelhof nach Schöneberg reist, da wären beim Fahren mit einem Passat milliardenschwere Irrtümer praktisch programmiert.

Üblich ist auch, dass die Dienstwagen der Politiker in den Nehmerländern etwas größer und neuer sind als in den Geberländern, das ergibt sich schon aus dem Begriff „Nehmerland“. Deshalb ist es das Normalste der Welt, dass der brandenburgische Bildungsminister Rupprecht einen recht großen Wagen benutzt. Schließlich weiß jeder, der mal im Smart über märkische Alleen gehoppelt ist: Radstand ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Radstand. Wer will schon, dass der Minister unpässlich und grün im Gesicht zur Schulinspektion in Wriezen vorfährt?

Aber: Dessen Dienstwagen hat Heckantrieb. Damit ist man im Skiurlaub bekanntlich hilflos. Rupprecht aber wollte auch in lichten Höhen noch spursicher voranstreben und erbat sich deshalb bei der ihm zufällig bekannten Spezialfirma BMW ein allradgetriebenes Leihfahrzeug, nur für zwei Wochen zu Sonderkonditionen: Die schätzungsweise üblichen 300 Euro Miete pro Tag trug das Unternehmen in vorbildlicher, den Minister entlastender Weise.

Nun hat er mächtig Ärger. Aber warum? So ist Marktwirtschaft nun mal. Jeder, und sei er noch so bedeutend, profitiert von den Erfolgen der Unternehmen. Und wer da beklagt, für ihn gelte das nicht, der hat nur einfach nicht gefragt, bei BMW oder einem vergleichbaren Hersteller. Dort wartet man nur drauf, selbstlos helfen zu dürfen – im Skiurlaub und in allen anderen selbst verschuldeten Notlagen.

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