Londoner Bankenskandal : Finanzbranche außer Kontrolle

Wieder einmal setzen sich Manager mit Gier und Übermut über Gesetz, Augenmaß und Moral hinweg. Wir brauchen nicht nur langweiligere Banken.

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In der Geschichte der Hassliebe der Briten zu ihren Bankern wird gerade ein neues Kapitel geschrieben. Der Libor-Skandal um Zinsmanipulationen stürzt Großbritanniens wichtigstes Gut, die stolze City, in Wirbel von Anklage und Selbstzerknirschung.

Mögen die Verfehlungen noch in die Zeit der großen Hybris der Finanzkrise gehören – wieder zeigt sich die Finanzbranche „außer Kontrolle“. Gier und Übermut setzen sich über Gesetz, Augenmaß und Moral hinweg.

Allenthalben wird nun ein „Kulturwandel“ gefordert. Aber Regulierung allein, so wichtig sie ist und so scharf sie sein muss, reicht nicht. Auch die Moral der Banker muss neu geordnet werden. Wie sich die Finanzindustrie mit ihren Derivativen und Swaps von der Realwirtschaft in einen virtuellen Raum ablöste, so verloren Banker, die sich mit ihren Millionenboni als „Masters of the Universe“ aufspielten, die Bodenhaftung und wurden Opfer des eigenen Personenkults.

Nun muss die Einbindung in eine institutionelle Moral, die gerade in historischen Finanzbezirken wie der City jahrhundertelang der maßgebliche Kontrollmechanismus war, wiederhergestellt werden. Wir brauchen nicht nur langweiligere Banken, wie der britische Wirtschaftsminister fordert. Sondern vor allem brauchen wir wieder langweilige Banker.

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