Meinung : Love Parade: Krach um viel Lärm

Gerd Nowakowski

Wer jahrelang oben auf den Wagen stand, bei wummernden Bässen und 180 Beats per Minute, der kann sich schon einen Gehörschaden holen. Und ein wenig abgehoben von den komplizierten Berliner Verhältnissen darf man sein, wenn einen der weltumspannende Friede, die Rettung des "Blauen Planeten" oder einfach "Friede, Freude, Eierkuchen" umtreibt. Das mag erklären, warum die Manager der Love Parade so harthörig sind. Der Berliner Innensenator Eckart Werthebach ist hingegen dafür bekannt, ein Ohr am Volke zu haben. Man könnte fast glauben, er habe klammheimlich den Gegnern des Spektakels ein wenig Hilfestellung gegeben, und die mit der Anmeldung der Parade säumigen Veranstalter in die rechtliche Sackgasse laufen lassen.

Egal, was den Innensenator getrieben hat, eine gute Figur hat er im Trauerspiel um die Parade nicht gemacht. Ein Happy-End ist weiter nicht in Sicht. Stattdessen geht das Tauziehen weiter um einen anderen Termin, um eine andere Route. Wer soll das noch verstehen? Die Love Parade gehört nach Berlin - und dafür gibt es eine Million Argumente: Jeden einzelnen Raver, der dafür in die Stadt kommt. Der Termin am 14. Juli ist fest im Event-Kalender verbucht: bei Reiseunternehmen, Hotels - und den Clubs in der ganzen Stadt. Niemand außerhalb der Stadtgrenzen versteht, warum es nicht möglich war, dem Techno-Spektakel rechtzeitig die Planungssicherheit zu geben. Die 40 000-Mark-Spende an den CDU-Fraktionschef Landowsky mag im Rest der Republik als Provinz-Posse gesehen werden - richtig lächerlich gemacht aber hat sich die Stadt jetzt mit dem ungelenken Umgang mit der Love Parade. Eine geänderte Route wäre ein Ausweg; die Parade zu verschieben, setzte das unwürdige Gezerre nur fort.

Der Verfassungssenator Werthebach muss auf das hohe Gut des Demonstrationsrechts achten. Und die Gegner der Parade kämpfen mit ernst zu nehmenden Argumenten darum, den Tiergarten zu erhalten. Einen guten Teil der Verantwortung haben auch die Macher der Parade. Sie haben alle Proteste ignoriert und jahrelang mit nahezu autistischer Arroganz jedes Konflikt-Management abgelehnt. Doch niemand hat die Innenverwaltung gehindert, von sich aus frühzeitig alle Beteiligten an den Tisch zu zwingen - und nicht zu warten, bis eine Lösung nahezu verbaut ist. Dann hätte man auch darüber reden können, dass die Love Parade eben keine politische Demonstration ist, wie ihre Macher gern behaupten, sondern ein einträgliches Geschäft. Aber ein Ereignis, auf das Berlin nicht verzichten will.

Viel Lärm um nichts? Der frühere Berliner Innensenator Dieter Heckelmann hat schon 1995 festgestellt, die Techno-Veranstaltung sei nicht politisch. Da hatte Heckelmann ebenso Recht, wie heute Werthebach formaljuristisch Recht hat, wenn er der angemeldeten Demonstration der Bürgerintiative Vorrang gibt. Heckelmann wurde vor sechs Jahren vom Regierenden Bürgermeister von seinem Konfrontationskurs abgebracht. Auch diesmal wird es nicht ohne Diepgen gehen.

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