Meinung : Lukratives Netzwerk

Warum bei uns die Lichter nicht ausgehen werden

Heike Jahberg

Eine schreckliche Vorstellung: Der Strom fällt aus. Aufzüge bleiben stecken, Züge können nicht weiterfahren. Die technisierte, industrialisierte Welt steht still. In der Nacht zum Sonntag hat es Italien getroffen – wieder einmal. Schon im August war dort das Licht ausgegangen. Wie in Nordamerika auch, in London und in Skandinavien. Das Unbehagen wächst. Werden Stromausfälle zur Routine? Und: Wann trifft es uns?

Richtig ist: Stromausfälle nehmen zu. Der Energieverbrauch steigt, gleichzeitig versuchen die Anbieter, sich mit Billigtarifen zu unterbieten. Das geht auf Kosten der Infrastruktur. Gespart wird an der technischen Ausstattung und an den Netzen. Diese Nachlässigkeit rächt sich jetzt – weltweit.

Nur nicht in Deutschland. Denn obwohl auch bei uns 1998 der Strommarkt liberalisiert worden ist, hat sich faktisch nicht viel verändert. Die alten Gebietsmonopolisten, die Deutschland unter sich aufgeteilt hatten, besitzen auch heute noch Netze und Vertrieb. Zwar nicht mehr in einer einzigen Gesellschaft, aber unter ein und demselben Konzerndach. Anders als in Italien haben die deutschen Stromkonzerne einen guten Grund, ihre Netze zu pflegen. Denn sie kassieren Geld dafür, dass Stromhändler ihre Leitungen nutzen, um Kunden zu beliefern. Die Ex-Monopolisten verdienen mit ihren Netzen sogar so viel Geld, dass sich das Geschäft für die Konkurrenz kaum lohnt. Viele junge Anbieter sind in die Knie gegangen, und so zahlen die Verbraucher heute fast genauso hohe Strompreise wie vor der Privatisierung.

Pannen wie in Italien werden uns daher erspart bleiben. Das ist gut. Doch die deutschen Stromkonzerne werden versuchen, die Pannenserie auszunutzen. Die hohen Netzentgelte seien nötig, werden sie sagen, um uns vor italienischen Verhältnissen zu schützen. Doch das stimmt nicht, denn die Monopolisten von einst kassieren über Gebühr. Ein fairer Preis würde die Investitionen der Netzeigentümer honorieren, ohne den Wettbewerb abzuwürgen. Aus eigener Kraft hat es die Branche nicht geschafft, ein vernünftiges Tarifmodell zu entwickeln. Daher wird es im kommenden Jahr wahrscheinlich eine staatliche Regulierungsbehörde geben. Die soll für Wettbewerbspreise sorgen – und italienische Verhältnisse vermeiden helfen.

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