Meinung : Macht der Hoffnung

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Endet das Jahr versöhnlich? Ein Jahr, das nicht arm war an Terroranschlägen, auch in Europa, an Kriegen und Hassausbrüchen. Doch nun hat Afghanistan friedlich gewählt, die Ukraine sich friedlich gegen Wahlbetrug gewehrt – und im Nahen Osten wächst neue Friedenshoffnung. Mahmud Abbas, mutmaßlich nächster Palästinenserpräsident, fordert ein Ende der Gewalt gegen Israel; die Intifada sei ein Fehler gewesen, der bewaffnete Kampf habe den Palästinensern geschadet. In Israel bildet sich über alle innenpolitischen Gräben eine Koalition, die den endgültigen Abzug aus Gaza vorbereitet und verspricht, sich während der palästinensischen Wahl aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen. Gewiss doch, im Nahen Osten ist man gut beraten, nicht die Partei der Hoffnung zu ergreifen, sondern die der Skepsis. Was soll Abbas schon ausrichten gegen Terrororganisationen, die prompt erklären, für sie komme ein Gewaltverzicht nicht in Frage? Er hat nicht die Macht, das Gewaltmonopol durchzusetzen. Aber Hamas und Dschihad wollen am politischen Prozess beteiligt werden. Wer immer nur darauf beharrt, dass es eh nichts werden kann mit dem Frieden, wird Teil einer self fulfilling prophecy. Natürlich haben sich die Dinge im Nahen Osten nicht fundamental zum Besseren gewendet. Aber bei aller Skepsis doch so weit, dass die Hoffnung eine Chance hat, zu einem Machtfaktor zu werden: als positive, sich selbst erfüllende Prognose. cvm

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