Macht, Militär und der Euro : Auf Zypern geht es auch um Russlands Macht

Im Tausch gegen Kredite könnte Russland eine Militärbasis auf Zypern bekommen. Die EU hat daran kein Interesse - und wird dem Inselstaat vielleicht deshalb doch noch unter die Arme greifen.

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Russland verfolgt auf Zypern seine eigenen Interessen.
Russland verfolgt auf Zypern seine eigenen Interessen.Foto: AFP

Euro-Krisen hat das Europa der gemeinsamen Währung schon einige erlebt. In den meisten steckt es ja auch noch mittendrin. Während es aber bisher um Banken ging, die sich verzockt, und Länder, die sich überschuldet hatten, steht mit Zypern nun schlagartig auch ein Sicherheitsproblem auf der Tagesordnung. Der wichtigste Handelspartner des selbstständigen Südteils der Insel ist Russland. Dessen bislang einziger maritimer Stützpunkt am Mittelmeer liegt im syrischen Hafen Tartus. Die anhaltende Unterstützung Moskaus für den wankenden Diktator Assad hat hier ihr machtpolitisches Fundament. Die Republik Zypern wiederum ist kein Mitglied der Nato, auch wenn der neue konservative Außenminister Ioannis Kasoulides jetzt bei einem Besuch in Athen ankündigte, die Insel wolle sich stärker mit der Nato verbinden.

Zypern ist in akuter Geldnot und will sich dem Verdikt von Euro-Staaten, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank nicht beugen, wonach alle Konteninhaber einen mehr oder minder großen Beitrag zur Lösung der Krise leisten müssten. Finanzminister Michalis Sarris verhandelte in Moskau bisher ohne Ergebnis über eine Ausweitung eines bestehenden 2,5 Milliarden-Euro-Kredites. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, warum Russland zu einem Arrangement bereit sein könnte. Die Ausbeutung der umfangreichen Erdgasvorkommen vor der Küste Zyperns durch russische Firmen böte mehr als genug Sicherheit für jeden Kredit. Und Nutzungsrechte des russischen Flotte in den Häfen von Limassol oder Larnaka machten das Militär unabhängig vom syrischen Hafen Tartus.

Die Distanz Zyperns zur Nato, zu den USA und zu Großbritannien hat Tradition. Sie wurde am intensivsten in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den ebenso charismatischen wie intrigenerprobten Regierungschef, Erzbischof Makarios, ausgelebt, der 1959 das Ende der britischen Herrschaft über Zypern erreichte. Heute geht der machtpolitische Haarriss mitten durch die Insel. Der griechische Teil ist Mitglied der Europäischen Union und nicht der Nato. Der türkische Inselteil gehört, über die Schutzmacht Türkei, zur Verteidigungsorganisation, nicht aber zur EU. Am Ende könnte die EU also Zypern finanziell entgegenkommen, um den politischen Machtkampf zu vermeiden.

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