Meinung : „Männer müssen ein Nein akzeptieren“

Caroline Fetscher

Monira Rahman, die morgen in Berlin den Menschenrechtspreis 2005 der deutschen Sektion von Amnesty International erhält, kämpft gegen eine sehr spezielle Form des sexistischen Attentats: das Verätzen weiblicher Gesichter.

Manche Männer in Bangladesch, die von einer Frau nicht das bekommen, was sie wollen, greifen zu einem Wasserglas. Sie füllen es mit Säure, etwa aus einer Autobatterie, und schütten es der Frau, die ihnen Sex, Heirat, Mitgift verweigert, ins Gesicht. Schmerzhafte, entstellende Verbrennungen des Gewebes sind die traumatische Folge. 2205 Fälle solcher Körperverletzungen gab es in Bangladesch seit 1999. Auslöschen wollen die Männer Frauen und Mädchen, die ihnen nicht gehören oder gehorchen wollen. Sie sollen „ihr Gesicht verlieren“, so wie der männliche Täter meint, seines verloren zu haben, als er abgewiesen wurde.

Rahman, Gründerin der Menschenrechtsorganisation „Acid Survivors Foundation“ (www.acidsurvivors.org), setzt sich erfolgreich für die Opfer ein, und Amnesty International verleiht den Preis an sie im Rahmen der globalen Kampagne „Hinsehen & Handeln – Gewalt gegen Frauen verhindern“. Rahman kommt morgen, begleitet von einem Säureopfer, nach Berlin zu einer abendlichen Amnesty-Gala im Deutschen Theater.

Früher blieb den verunstalteten Frauen und Mädchen nur eins übrig: Versteck oder Suizid. Jetzt können sie, so Amnesty, „ihr Gesicht bewusst der Öffentlichkeit zeigen“. Nur etwa zehn Prozent der Säure-Attentäter kommen vor Gericht. Deshalb zieht Rahmans Organisation auch gegen korrupte Polizei und Justiz zu Felde, die solche Fälle schweigend billigen. Gezielt sprechen die Frauen auch die männliche Bevölkerung an, und waren erfreut, als sich tausende Männer am 8. März, dem Weltfrauentag, zum Protest versammelten.

Den Opfern von Säureattentaten bietet die Organisation Hilfe in zwei Kliniken und einem Rehabilitationszentrum an, Therapie und die Übernahme von Anwaltskosten. Seit 2002 gilt in Bangladesch der „Acid Crime Control Act“. Premierministerin Khaleda Zia erklärte: „Solche Verbrechen schwärzen den Namen unseres Landes.“ Doch da sie das 130-Millionen-Land in einer Koalition mit islamistischen Hardlinern regieren muss, stehen Frauenrechte nicht eben oben auf der Agenda. Monira Rahman lässt sich davon nicht beirren.

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