Meinung : Mal im Vertrauen

MERZ WILL KEIN FRAKTIONSAMT ÜBERNEHMEN

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Wahrscheinlich ist es unklug, dass Friedrich Merz davon absieht, Angela Merkels Stellvertreter im Fraktionsvorstand werden zu wollen. Er macht zwar nicht den Lafontaine, wirft kein Amt achtlos weg. Er mag nur kein neues übernehmen. Aber gewissermaßen lässt er die Seinen doch im Stich. Denn wer, wenn nicht er, könnte der Regierung bei der Wirtschafts und Finanzpolitik Paroli bieten? Wie groß die Not von Merkel ist, sieht man ja gerade daran, dass sie sich selbst überwunden hat und Merz als ihren „Super-Vize" gewinnen wollte. Dessen Absage fügt der Union also arge Schmerzen zu. Und dies wiederum dürfte kaum die Beliebtheit und damit auch nicht die weiteren machtpolitischen Perspektiven von Merz in den eigenen Reihen mehren. Warum aber verhält sich der Mann dann so – wider jeden politischen Instinkt? Weil er zu stolz ist, weil er den Verlust des Fraktionsvorsitzes nicht überwinden kann? Weil er deshalb also schmollt? Manche sehen das so. Doch es könnte auch anders sein: Man kann sich nämlich lebhaft vorstellen, wie im Laufe der Zeit die Vertrauensbasis zwischen Merz und der neuen Vorsitzenden abhanden gekommen ist. Und dass es kaum Aussichten gibt, dass da neues Vertrauen entsteht. Politisch bliebe der Verzicht von Merz damit immer noch unklug. Menschlich nötigt er Respekt ab. psi

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