Meinung : Mal sehen, was die Linken können

BRASILIEN NACH DER WAHL

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Die „Achse des Bösen“ ist jetzt perfekt. Brasilien reihe sich ein in die Linksdiktaturen eines Chavez in Venezuela und eines Castro auf Kuba – ja, es gibt politische Beobachter, die das tatsächlich behaupten. Aber das ist Unsinn. Richtig ist, dass in Brasilien künftig wohl ein Sozialist regiert. Richtig ist auch, dass der 57-jährige Ex-Gewerkschaftsführer Luiz Inácio Lula da Silva ein Mann aus dem Volk ist, einer, der selbst aus ärmsten Verhältnissen stammt. Falsch aber ist, deshalb zu glauben, dass in Brasilien nun die Verstaatlichung einsetzt oder Lula radikal vom liberalen Kurs des Präsidenten Cardoso abrücken wird. Cardoso war der Liebling der Finanzmärkte, weil er streng den Kurs der Marktöffnung und des Sparens hielt. Die wirtschaftliche Situation Brasiliens ist dennoch angespannt, aber große Mitschuld daran tragen die internationalen Analysten und Finanzmärkte, die im Wahlkampf einen möglichen Sieg Lulas vorwegnahmen und die brasilianische Währung dramatisch abstürzen ließen. Seriöse Wirtschaftsexperten haben diese Abwertung längst als „hysterisch“ bezeichnet. Brasilien muss nun den erfolgreichen Konsolidierungskurs fortsetzen, aber sich gleichzeitig um sozialen Ausgleich bemühen. Dafür werde seine Regierung stehen, sagt Lula. Das haben in Lateirika schon viele behauptet, auch im Nachbarland Argentinien. Die Linke aber hat in Südamerika bisher nur eines gezeigt: Sie kann es auch nicht besser. Lula hat nach der Stichwahl die Chance, das Gegenteil zu beweisen. ale

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