Manaf Tlass: : „Ich bin dem Regime nicht gefällig gewesen“

Lange war er ein treuer Gefolgsmann des syrischen Präsidenten. Jetzt hat ihm Manaf Tlass den Rücken gekehrt und ist zu seiner reichen Schwester nach Paris geflohen. Ein Porträt.

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Er ist also, wie vermutet, in Paris. Zwölf Tage lang war darüber gerätselt worden, wo sich Manaf Tlass aufhält. Nun ist das Geheimnis gelüftet. Der 48-jährige syrische General, noch vor Monaten einer der engsten Vertrauten des Diktators Baschar al Assad, hat sich nach seiner Flucht Anfang Juli in der französischen Hauptstadt niedergelassen. Präsident François Hollande bestätigte jetzt die Anwesenheit des prominenten Dissidenten mit den Worten: „Wir sind über die Situation informiert. Er ist hier.“ Zuvor hatte Tlass in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP den Spekulationen über sein Verbleiben ein Ende bereitet.

In der Erklärung weist er dem syrischen Regime die „Hauptverantwortung“ für die Ereignisse in seinem Land zu. Er empfinde „Zorn und Schmerz“, dass die syrische Armee dazu eingesetzt werde, einen Kampf zu führen, dessen Opfer das Volk ist. Er wünsche, dass Syrien die Krise durch einen „konstruktiven Übergang“ überwinde, der Einheit, Stabilität und Sicherheit sowie die legitimen Erwartungen des Volkes garantiert. Er sei dem Regime nie gefällig gewesen und bereit, einen Beitrag zu einer „besseren Zukunft“ zu leisten. Worin der bestehen könnte, lässt er jedoch offen. Weder ruft er die syrischen Soldaten auf, zu desertieren, noch bekennt er sich zur Opposition und ruft zum Bruch mit Assad auf.

Manaf Tlass und Baschar al Assad kennen sich seit ihrer Kindheit. Ihre Väter und ihre Familien waren eng miteinander befreundet. General Mustafa Tlass, Minister unter dem früheren Diktator Hafez al Assad, diente nach dessen Tod auch dem Sohn Baschar. Die Treue zur Familie des Diktators wurde reichlich belohnt. Zu Frankreich unterhielt man seit jeher gute Beziehungen. Die Kinder besuchten das Lycée français in Damaskus, Vater Mustafa promovierte an der Sorbonne. Die Tochter Nahed, steinreiche Witwe des saudischen Waffenhändlers Akram Ojjeh, ließ sich an der Seine nieder, wo sie als „Madame O“ zum Zentrum der gehobenen Gesellschaft zählte. Der frühere sozialistische Außenminister Roland Dumas war ihr Geliebter, später der Journalist und frühere Chefredakteur der konservativen Zeitung „Le Figaro“ Franz-Olivier Giesbert. Mit ihrem Geld hat sie wohl auch die Flucht anderer Clan-Mitglieder unterstützt: Manafs Frau Tala war mit den Kindern schon vor ihm eingetroffen, sein Bruder Firas, ehemals Inhaber des syrischen Monopols für den Import von Waffen, und der Vater Mustafa ebenfalls. Hans-Hagen Bremer

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