Meinung : Mann im Ohr

SCHRÖDER BEKOMMT NICHT ALLE STIMMEN VON ROT-GRÜN

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Sollte man deshalb viel Aufhebens machen? Wegen eines Stimmchens? Weil RotGrün mit 306 Abgeordneten vollzählig versammelt war, aber nur 305 ihr Kreuz hinter Schröder setzten? Sollen wir jetzt stochern, wer, aus des alten, neuen Kanzlers Sicht, wohl der Verräter war, jener Abgeordnete, der im Geheimen nicht Ja sagen mochte? Wobei es auch mehr als einer sein könnte, denn sicher ist nicht, dass alle Oppositionspolitiker gegen den Kanzler stimmten. Gut, die beiden Damen von der PDS versichern, tapfer Nein zu ihrer eigenen politischen Zukunft gesagt zu haben. Und Möllemann, gleich unberechenbar wie sozialliberal, war ja nicht da. Auf der anderen Seite gibt es viele, die sich vom Kanzler in den ersten vier Jahren gedemütigt fühlten. Jedes der „Opfer“, Gescheiterte wie Zurückgesetzte, ist ein potenzieller Gefahrenherd. Wie gesagt, es ging alles glatt. Schröder bekam nur, wie einst die römischen Cäsaren, ein leises „Vergiss nicht, Du bist nur sterblich!“ ins Ohr gehaucht. Damit kann er leben. Nicht leben kann er mit einem Parlament, in dem aus dem Stimmchen eine Stimme wird. Wechselnde Mehrheiten, ein Abbröckeln bei schweren Irak- und Wirtschaftsentscheidungen – das würde Schröders knappe Mehrheit ernsthaft gefährden. Sterblich sind wir alle. Die spannende Frage ist immer nur: wann? rvr

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