Mario Draghi: : „Der Euro ist unumkehrbar“

Die Krise und Kritiker geben keine Ruhe, doch Mario Draghi blieb ruhig und präzise. Nun hat der EZB-Präsident einen wichtigen Termin abgesagt. Ein Porträt.

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Foto: dapd
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Mario Draghi fliegt am Wochenende nicht ins amerikanischen Jackson Hole. Er habe zu viel zu tun, heißt es aus der Europäischen Zentralbank (EZB) zur überraschenden Absage ihres Präsidenten. Dabei zählt die von der US-Notenbank Fed organisierte Konferenz eigentlich zu den Pflichtterminen für führende Notenbanker. Die Begründung leuchtet auf den ersten Blick ein. Schließlich wird dort über ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Krisenländer gebrütet. Und vor dem nächsten Treffen des EZB-Rats am kommenden Donnerstag in Frankfurt hatten sich einige von Draghis Rede in Jackson Hole Neuigkeiten zum nächsten Rettungsschritt der Notenbank erwartet. Diesem Druck wollte der 64-jährige Italiener womöglich aus dem Weg gehen.

Auf Draghis Schultern lastet tatsächlich eine erhebliche Bürde. Was dem habilitierten Wirtschaftswissenschaftler, Ex-Investmentbanker und ehemaligen Chef der italienischen Notenbank aber klar war. Schließlich hatte die EZB schon unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet nach Ansicht von Kritikern mit dem Kauf von Anleihen der Euro-Krisenstaaten ihr Mandat überzogen. Draghi lässt sich nicht beirren, auch nicht durch den Widerstand von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Beide respektieren sich, behalten aber gegensätzliche Positionen. Ruhig, präzise und ohne jedes überflüssige Wort erläutert Draghi einmal im Monat im ersten Stock des Euro-Towers seine Position. Zentrale Punkte: Die EZB ist unabhängig, Preisstabilität ist ihr oberstes Ziel und alles, was sie mit Sonderkrediten und Anleihekäufen anstößt, dient dem reibungslosen Funktionieren der Geldpolitik – und verstößt damit nicht gegen das der Notenbank auferlegte Verbot der Staatsfinanzierung.

Er sei mindestens so stabilitätsorientiert wie jeder Bundesbanker, hieß es bei Draghis Amtsantritt im Herbst 2011. Ökonomen sprachen von einer guten Wahl. Ein wenig von diesem Glanz mag gebröckelt sein. Draghi arbeitet unbeirrt weiter, vermeidet zu viele Auftritte in der Öffentlichkeit. Keiner weiß so gut wie der Italiener, wie ernst es um die Euro-Zone und damit auch um den Euro steht. Der gebürtige Römer weiß zudem, dass seine Kritiker keine wirkliche Alternative zur Krisenpolitik der EZB kennen. Draghi muss letztlich als unabhängiger Notenbanker entscheiden, aber auch als Gefangener einer Situation, die er und seine Zentralbank-Kollegen nicht heraufbeschworen haben. Rolf Obertreis

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