MARK RUTTE im Porträt : „Wir werden unser Land zurückgeben“

Mark Rutte, VVD-Chef und designierter Ministerpräsident der Niederlande ist einer der beliebtesten Politiker seines Landes – weil er 18 Milliarden Euro durch den Abbau von Bürokratie und Sozialleistungen einsparen will.

Ruth Reichstein
VVD-Chef Mark Rutte Foto: dpa
VVD-Chef Mark RutteFoto: dpa

Mark Rutte hat es geschafft: Nach monatelangen Verhandlungen steht er praktisch als nächster Ministerpräsident der Niederlande fest. Zwar fehlt noch die Zustimmung der christdemokratischen Fraktion zum Koalitionsvertrag, aber nachdem deren Parteitag bereits den Segen gegeben hat, gilt die Abstimmung als weitgehend sicher. Für den rechtsliberalen Rutte geht damit ein Traum in Erfüllung. Rutte ist einer der beliebtesten Politiker des Landes. Die Niederländer sehen in ihm den Garanten für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik und den Abbau der Staatsschulden. 18 Milliarden Euro will Rutte bis 2015 einsparen – vor allem durch Abbau von Bürokratie und Sozialleistungen. Das kam bei seinen Wählern an: Sie hatten im Juni vor allem aus wirtschaftspolitischen Gründen für Ruttes VVD gestimmt.

Gleichzeitig muss sich der 43-jährige Rechtsliberale den Vorwurf gefallen lassen, den Rechtspopulisten Geert Wilders zum Kronprinzen gemacht zu haben. Denn auch wenn Wilders nicht direkt an der Koalition beteiligt ist, braucht die Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten die Stimmen von Wilders’ Freiheitspartei für die Mehrheit im Parlament. Rutte hatte während des Wahlkampfs keinen Zweifel daran gelassen, dass er sich auf Wilders einlassen würde. Dieser Devise war er treu geblieben, auch als die Christdemokraten wegen Wilders fast aus den Verhandlungen ausgestiegen wären. Rutte behielt sein Ziel, Premierminister zu werden, im Auge – um jeden Preis. Denn darauf zielte der Vorsitzende der rechtsliberalen Fraktion im niederländischen Parlament seit Jahren.

Der Historiker, der vor seiner politischen Karriere unter anderem als Manager beim Lebensmittelkonzern Unilever gearbeitet hat, erneuerte seine Partei von Grund auf. Zum Beispiel warf er 2007 die unbequeme Rita Verdonk aus der Fraktion, die sich immer wieder mit ausländerfeindlichen Sprüchen in die Öffentlichkeit gedrängt hatte. Rutte duldete keine Konkurrenz neben sich und arbeitete sich über die Jahre an die Spitze des Landes. Dort steht er nun als smarter Strahlemann und muss versuchen, seine wacklige Koalition durch die kommenden Jahre zu bringen. Sein Vorhaben: „Wir werden unser Land zurückgeben an die hart arbeitenden Niederländer.“ Ruth Reichstein

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben