Marko Perkovic : „Meine Songs sprechen für mich“

Er nennt sich "Thompson“, nach einer britischen Handfeuerwaffe: Der kroatische Popsänger Marko Perkovic im Porträt.

Caroline Fetscher

Er nennt sich „Thompson“, nach einer britischen Handfeuerwaffe. Seine Songs tragen massive Titel wie „Steinerne Gene“, „Oh mein Volk“ oder „Es war einmal in Kroatien“. Marko Perkovic, geboren 1966, stämmige Statur, ausgestattet mit Kurzhaarfrisur, Dreitagebart und einem Kreuz um den Hals, lebt in Zagreb, macht „patriotische Musik“ und hat zigtausend junge Fans.

Mitte Juli, als 40 000 Kroaten ins Zagreber Maksimir-Stadion zogen, um sich von Thompson, in ihren „Heimatgefühlen“ bestätigen zu lassen, trugen zahlreiche jugendliche Konzertbesucher Symbole und Insignien der kroatischen Ustascha-Faschisten, die im Zweiten Weltkrieg verantwortlich waren für das grausame Verfolgen und Ermorden von Minderheiten. Einige Konzertbesucher sollen in Hooligan-Manier mit dem Hitlergruß provoziert haben. Vom staatlichen Fernsehen wurde das Konzert live übertragen.

Perkovic gehört in der kroatischen Musikszene zur relativ neuen Erscheinung des Nationalpop, der sich parallel zur serbischen Variante etwa der Sängerin „Ceca“ entwickelt hat, der jungen, blonden Witwe des Paramilitärs „Arkan“ Raznatovic. Auch für Kroatien ist eine solche Strömung gefährlich, erklären Kritiker. Entsetzt reagierten das Simon-Wiesenthal-Zentrum und die jüdische Gemeinde, aber auch der besorgte Demokrat Milorad Pupovac, Beauftragter für die serbische Minderheit im Land. Pupovac, der aktiv für die Versöhnung von Bevölkerungsgruppen eintritt, fragt laut, warum Steuergelder in die Fernsehübertragung von Thompsons Musik fließen: „Warum sollen wir für etwas zahlen, was bei unseren Kindern Furcht auslöst?“

Von alledem lässt sich der Kriegsveteran, dreifache Vater und fromme Katholik Perkovic keineswegs beirren. Für den 5. August organisiert er an seinem Geburtsort Cavoglave ein Konzert zum Jahrestag der militärischen Operation „Oluja“, bei der tausende Serben vertrieben wurden. Den wegen „Oluja“ in Den Haag angeklagten General Ante Gotovina soll er mit erheblichen Summen für dessen Strafverteidigung unterstützen. Kroatiens Regierung, die sich mühsam den Weg nach Brüssel bahnt, sieht die Popularität von Thompson mit Skepsis. Offenbar hatte die Justiz 2003 Anklage gegen den Sänger wegen Volksverhetzung erwogen, aber nicht weiter verfolgt. Der Sänger selbst ist überzeugt: „Meine Songs sprechen für mich.“ Er hält er sich bedeckt.Caroline Fetscher

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