• Martin McGuinness, Nordirlands Vize-Premier: "Diese Leute sind Verräter an der Insel Irland"

Martin McGuinness, Nordirlands Vize-Premier : "Diese Leute sind Verräter an der Insel Irland"

Nordirlands stellvertretender Regierungschef, Martin McGuinness, verurteilt die Attentate auf die beiden britischen Soldaten. Ein Porträt.

Martin Alioth
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Foto: AFP

Das verkündete Nordirlands stellvertretender Regierungschef Martin McGuinness am Dienstag auf den Stufen vor Schloss Stormont, dem Sitz des britischen Nordirlandministeriums. Der Minister verurteilte die Attentäter, die in den letzten Tagen zwei britische Soldaten und einen nordirischen Polizeibeamten erschossen hatten, Absplitterungen vom Hauptstamm der Irisch- Republikanischen Armee (IRA).

Martin McGuinness hatte vor 37 Jahren den Kommandanten der Irisch-Republikanischen Armee in Derry vertreten, als britische Soldaten unbewaffnete Demonstranten erschossen. Später rückte er in der Kommando-Hierarchie der IRA bis an die Spitze vor. Jetzt stand er neben Sir Hugh Orde, dem besonnenen Kommandanten der nordirischen Polizei, und Peter Robinson, dem politischen Zögling von Pfarrer Ian Paisley, und bot der Polizei seine bedingungslose Unterstützung bei der Jagd nach den Attentätern an, die zum Teil seine einstigen Waffenbrüder sind.

So haben die Zeiten sich geändert. Der 58-jährige einstige Metzgerlehrling aus Derry gilt als die politische Stimme der inzwischen entwaffneten und untätigen IRA, sein Wort hat Gewicht. Wenn er früher jemanden als Verräter beschimpft hatte, bedeutete das ein Todesurteil. Heute überlässt er den Vollzug der Polizei, die er einst erbarmungslos bekämpfte. Martin McGuinness sprach sogar direkt aus: „Ich biete Führung an.“

In der Tat. Die Spitzenpolitiker Nordirlands wissen exakt, welche Absichten die Attentäter verfolgen – sie selbst haben sich die unheilvollen Methoden der Eskalation in der Vergangenheit häufig zunutze gemacht. Deshalb tappen sie diesmal nicht in die Falle der Heckenschützen, sondern bemühen sich um Geschlossenheit und Einigkeit. Die nordirische Regierungspartei Sinn Féin, einst das Sprachrohr der IRA, hatte im Januar 2007 formell das britische Gewaltmonopol in Nordirland anerkannt und damit die reformierte Polizei. Aber der Tatbeweis kam erst diese Woche aus dem Mund von Martin McGuinness. Er rief seine Gefolgsleute auf, die irische und die nordirische Polizei bei der Fahndung zu unterstützen, ja, er selbst würde zur Polizei gehen, wenn er etwas über die Täter wüsste.

In gewissem Sinne wiederholt sich hier die irische Geschichte: Auch Fianna Fáil, die heutige Regierungspartei in Dublin, war einst aus der Gewalt entstanden und hatte sich nur schrittweise und zögerlich mit dem Rechtsstaat angefreundet. Eigenartigerweise tut sich Sinn Féin in diesen Tagen nicht schwer bei der Verurteilung von Polizistenmördern. Am vergangenen Sonntag, nach dem Anschlag auf die Militärkaserne in Antrim, klang es noch viel kälter und klinischer, denn die Trauer über den Tod britischer Soldaten auf (nord-)irischem Boden hält sich in diesen Kreisen noch immer in Grenzen. Deshalb wäre es ein verheerender Fehler, jetzt wieder britische Truppen auf Nordirlands Straßen zu entsenden; selbst die geheimdienstlichen Aktivitäten der Briten könnten für Martin McGuinness noch zum Fallstrick werden. Der Eckpfeiler des nordirischen Friedensprozesses ist ja gerade die Eigenverantwortung der Nordiren für ihr Geschick – ohne britische Einmischung. Martin Alioth

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