Matthias Matussek : „Ich bin seit neuestem Katholik“

Ein katholische Konvertit, der nicht zum Schwert, sondern zum PC eilt: Der Autor und Journalist Matthias Matussek hat gerade sein Buch „Das katholische Abenteuer“ veröffentlicht. Ein Porträt.

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Noch ist die Sache nicht zweifelsfrei entschieden. Noch ist es möglich, den Streit zwischen dem stellvertretenden „Spiegel“-Chefredakteur Martin Doerry und dem „Spiegel“-Autor Matthias Matussek als Duell zweier Ego-Shooter abzuqualifizieren. Oder aber zum Kulturkampf hochzuwuchten. Matussek hat gerade das Buch „Das katholische Abenteuer“ publiziert, Doerry soll den Abdruck einer positiven Rezension zu einem Papst-Buch im „Spiegel“ abgelehnt haben. Das bringt Matussek zum Schäumen, im Gespräch mit dem Kölner Domradio soll er das Magazin ein „antikirchliches Kampfblatt“ geschimpft haben.

Matthias Matussek reportierte den Fall der Mauer, dann war er Auslandskorrespondent des „Spiegel“ in Rio de Janeiro, New York, London. Zusammen mit dem milden Romain Leick sollte der Wilde Matussek nach dem Willen des damaligen Chefredakteurs Stefan Aust das Kulturressort aufmischen; das ging gründlich schief, nur sein Abgang konnte die Implosion verhindern. Matussek wurde Autor, Feuilletonist war er schon, diese Kombination des freidenkerischen Journalismus erlaubt dem Hochgebildeten, beinahe jede Position in Buchform zu fassen.

„Das katholische Abenteuer“ heißt im Untertitel „Eine Provokation“. Das ist der Geist, aus dem heraus der heute 57-Jährige auch „Die vaterlose Gesellschaft. Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf“ oder „Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können“ geschrieben hat. Im polemischen Geradeaus-Stil wird niedergewalzt, was sich tatsächlich, vermeintlich in den Weg stellt (oder taktisch klug in den Weg gestellt wird). Ohne Feind keine Ehr’. „Ich bin kein Vorzeige-Katholik, aber dennoch bin ich seit neuestem so leidenschaftlich Katholik, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war.“ Ein Konvertit, der nicht zum Schwert, sondern zum PC eilt.

Diese deutsche Karriere beginnt im Elternhaus. Die Familie, ursprünglich in Berlin beheimatet, siedelt sich nach dem Krieg in Marbach an. Der Vater, katholischer Theologe, studiert Jura, die Familie geht nach Westfalen, schließlich arbeitet der Vater als Bürgermeister für Soziales in Stuttgart. Matussek verlässt mit 16 das konservativ-katholische Elternhaus, geht in eine maoistisch orientierte WG und später nach West-Berlin an die FU zum Studieren. Was nach einem linken Lebenslauf mit der Altersstarre eines grünen Spießers aussieht, ist mit Matthias Matussek nicht zu haben. Er ist jetzt Missionar, er hat einen Auftrag.

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