Matthias Platzeck : "Für Politiker gelten höhere Ansprüche"

Der Regierungschef Brandenburgs, Matthias Platzeck, hat keine Lust auf Journalistenfragen. Ein Porträt des bisherigen "Glückpilzes" der Politik.

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Die Luft um Matthias Platzeck wird dünner.
Die Luft um Matthias Platzeck wird dünner.Foto: dapd

Als Matthias Platzeck nach einer Stunde die Landtagsfraktion verlässt, stürmt er sofort die Treppe herunter. Nur schnell vorbei an den Medienleuten. Nein, der brandenburgische SPD-Regierungschef, vom einwöchigen Kanarenurlaub sonnengebräunt, aber trotzdem sichtlich angegriffen, hat keine Lust auf Journalistenfragen. Die empfindet er, der einst mit Medien jonglierte, schon länger nur als nervende Kreuzverhöre. Es ist der Tag danach: 24 Stunden zuvor hat er mit Rainer Speer gebrochen, dem über eine Unterhalts– und Immobilienaffäre gestürzten Freund und Ex-Innenminister – indem er ihn öffentlich zur Niederlegung seines Landtagsmandates aufforderte. Aber auf die Frage, ob Speer sich entschieden hat, antwortet er knapp: „Nein.“ Es ist ein Wort, in dem das ganze Drama, die Ohnmacht des Matthias Platzeck liegt, dem in dieser Brandenburger Affäre alles zu entgleiten scheint.

So schlimm stand es für diesen Mann, der Brandenburg seit 2002 – nach den Eckdaten erfolgreich – regiert, noch nie. Schließlich galt Platzeck, Jahrgang 1953, Arztsohn, vor 1989 eine Art Umweltinspekteur in Potsdam und in der Wendezeit in der Bürgerbewegung engagiert, als sympathisch-fröhlicher Glückspilz der Politik. Ein glaubwürdiger Typ, dem vieles gelang: Als Umweltminister stellte er das halbe Land unter Naturschutz, bundesweit bekannt wurde er als „Deichgraf“ beim Oderhochwasser 1997.

Dann hängte er auch noch sein Ministeramt an den Nagel, um Oberbürgermeister seiner Heimatstadt zu werden, holte die Stadt aus dem Jammertal. Seitdem war er in der Brandenburger SPD, die er seit 2000 führte, der Held, der „Kronprinz“ von Manfred Stolpe, den er folgerichtig beerbte. Er gewann 2004 und noch einmal 2009 die Landtagswahl, immer gegen den Bundestrend. Freilich, schon das Scheitern als SPD-Bundeschef – nach einem Kollaps trat er zurück – hatte er schwer verwunden. Und auch die Stasi-Schlagzeilen um Rot-Rot trafen ihn. Und bisher immer dabei war Rainer Speer, Freund und graue Eminenz, der Platzeck so oft half. Es hat viele verstört, auch eigene Genossen, dass Platzeck im Fall Speer so lange blind schien, Warnsignale ignorierte, dass er erst jetzt klare Worte fand: „Für Politiker gelten höhere Ansprüche als an andere.“ Und er weiß wohl, dass es für ihn nicht ausgestanden ist. Er würde, wenn Platzeck nicht auch ein preußischer Pflichtmensch wäre, wohl längst alles hinwerfen.

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