Meinung : Matthies meint: 29 Jahre Einsamkeit

Das ist jetzt ungefähr so, als wäre Helmut Schmidt immer noch Bundeskanzler. Nein, nicht stöhnen! Es geht hier nicht um Weltpolitik und Raketen, sondern nur um die niedersächsische Landeshauptstadt, die im globalen Maßstab allenfalls eine Fußnote hergibt - mit einer Ausnahme: Herbert Schmalstieg ist dort seit 29 Jahren Bürgermeister und wurde gerade glatt wiedergewählt. Eine Guinness-Buch-Sache zweifellos, nicht weniger auszeichnungswürdig als das kleinste Wurstbrot der Welt oder 5000 Ostfriesen beim Wettzipfeln am Deich. Doch nun sitzen natürlich all die Diepgens dieser Welt in ihrem Lehnsessel und fragen sich: Was hat dieser Schmalstieg, was ich nicht habe? Seine Partei, die SPD, ist ja allein nicht so ungewöhnlich, und draußen weiß niemand, wie der Mann überhaupt aussieht. Womöglich passt gerade dies zu Hannover, der Stadt, die der Berliner meist für eine Reihe von Autobahnausfahrten hält, für die gefühlte Fortsetzung von Braunschweig und Peine mit ein wenig welkem Expo-Lorbeer. Sie haben dort den tiefen Teller nicht erfunden, sondern einfach immer ohne Umschweife benutzt; selbst der angeblich berühmteste Sohn der Stadt, Bundeskanzler Schröder, stammt ja in Wirklichkeit aus dem lippischen Mossenberg. Aber Schröder ist nicht Schmalstieg, der offenbar etwas ganz Politiker-Untypisches macht: Er bleibt einfach, wo er ist, und macht, was er kann. So steigt er nie in die lichten Höhen der Unfähigkeit - und muss nie als Spitzenpolitiker in aller Öffentlichkeit scheitern.

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