Meinung : Matthies meint: ABM-Druide

Die Brandenburger Tourismuswerber lieben Symbole. Zum Beispiel den 400 Stundenkilometer schnellen Rennwagen, der jetzt in Hannover für das Reiseland Brandenburg steht. Dieses Symbol allerdings lädt zu Fehlinterpretationen ein: Lausitzring - heizen, bis der Notarzt kommt? Gut, dass es auch die Buga gibt, die für einen sanfteren Tourismus steht, doch dessen Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. So ist Brandenburg beispielsweise auch das Land der Misteln, die zum Verdruss der Förster Baum um Baum erwürgen. Dabei sind Misteln pharmazeutisch nützliche Pflanzen, unerlässlicher Bestandteil jedes anständigen Zaubertranks, nur muss sie irgendjemand aus dem Baum holen: Druiden. Die gibt es nicht mehr? Macht nichts. In Brandenburg ist noch der absonderlichste ausgestorbene Beruf wiederbelebt, notfalls auch neu erfunden worden - man denke nur an den amtlich bestallten Großtrappen-Registrator. Höchste Zeit, dass ein paar arbeitslose Ingenieurökonomen mit okkulten Neigungen umgeschult werden - auf ABM-Druide. Sie könnten, oben in den Bäumen hockend, den Touristen kleine Vorträge über den richtigen Mistelschnitt halten, anschließend im Gebüsch leichte Zaubertrank-Rezepte für Anfänger demonstrieren und notfalls auch stärkeren Stoff brauen. Denn es könnte ja sein, dass das tapfere Volk der Brandenburger einmal starke Feinde zurückwerfen muss, die Berliner, beispielsweise. Fehlt noch einer, der zur Laute erbauliche Lieder anstimmt. Ein paar Mark für einen ABM-Barden sind beim fröhlichen Schuldenaufnehmen des Landes bestimmt noch übrig.

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