Meinung : Matthies meint: Arme Politiker

Es ist dies die Zeit, da wieder viele, viele vernünftige Politiker unbedingt Chef werden wollen. Weil sie müssen, weil sie wollen, oder weil sonst gerade kein anderer da ist, der den bankrotten Betrieb übernehmen könnte. Wir als Wähler sind an diesem Akt der vorsätzlichen Selbstentleibung nicht unwesentlich beteiligt, und deshalb möchten wir gern aus schlechtem Gewissen zur Warnung eine Erkenntnis wiedergeben, die uns gestern aus Japan erreicht hat. "Mir geht es wie einem Vogel, der 24 Stunden am Tag in einem Käfig eingesperrt ist", schreibt der neue japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi in der ersten Ausgabe seines E-Mail-Magazins, "überall Leibwächter, wo ich auch hingehe." Das ist aber nur der erste Schock im Leben eines Spitzenpolitikers - der zweite folgt viel später. Bill Clinton beschrieb ihn jetzt in Pittsburgh: "Ich bekomme meine Nachrichten nicht mehr von der CIA. Ich muss jetzt genau wie Sie Zeitung lesen." Nicht einmal ein eigenes Flugzeug hat Clinton mehr, nur die Leibwächter sind noch da, wenn auch in viel kleinerer Zahl. So gesehen kann jeder froh sein, der den Sprung nach ganz oben verpasst. Ob das Zögern und Zaudern Gregor Gysis damit zu tun hat, dass er ahnt, was in der Berliner Landesregierung auf ihn wartet? Mit Clinton ist er freilich nicht zu vergleichen: Die CIA wird ihm nie irgendwelche Nachrichten zukommen lassen.

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