Meinung : Matthies meint: Das letzte Mittel der Politik

Intelligent ist immer gut. Intelligent ist sexy, intelligent ist cool, ja, man könnte diese so seltene menschliche Eigenschaft sogar voll süß nennen. Will nicht jeder so sein? Und weil das so ist, hat sich nun auch die Welt der Dinge des Begriffs bemächtigt: Es gibt das intelligente Büro mit den ewig stumpfen Bleistiften; das intelligente Motor-Management garantiert uns, dass der Motor immer genau dann ausgeht, wenn er unbedingt laufen muss. Schönste Ausprägung des Intelligenz-Drangs waren bislang die intelligenten Bomben, schlaue Dinger, die vor dem Explodieren immer erst nachsehen, ob das Opfer Uniform trägt. Falls nein: Ähm, sorry. Falls ja: Bumm! Das Dumme ist nun, dass diese schlauen Dinger kürzlich im Irak offenbar wieder satt daneben geflogen sind, hundert Meter im Durchschnitt, mit den üblichen Kollateralschäden im Gefolge. Dies lässt das Verständnis unseres intelligenten Außenministers in völlig neuem Licht erscheinen und hat, logisch, eine neue Irak-Politik zur Folge: intelligente Sanktionen. Nun könnte es freilich sein, dass auch diese Sanktionen es wie die Bomben machen und wieder unter der Zivilbevölkerung detonieren. Was dann? Es wäre denkbar, es einfach einmal ganz vorsichtig mit intelligenter Politik zu versuchen. Aber das kann natürlich nur das letzte Mittel sein.

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