Meinung : Matthies meint: Demokratisches Faustrecht

Geben wir es zu: Auch diese kleine Rubrik ist eine Brutstätte der allgegenwärtigen Politikverdrossenheit. Hier werden Kübel von Häme über Kanzlerpartei und Opposition, über Merz und Möllemänner ausgeschüttet, auf dass befreites Gelächter der Demokratie irgendwas nützen möge. Mehr ist nicht beabsichtigt, und keinesfalls kann sich der taiwanesische Geschäftsmann Tung Nien Tai bei seinem skrupellosen Vorgehen auf den Tagesspiegel berufen - er hat jetzt in das Angebot seiner Sicherheitsfirma das Politikerverprügeln aufgenommen. Für rund 60 000 Mark schicken seine Leute den Ministerpräsidenten auf die Bretter, den einfachen Abgeordneten schon für knapp ein Drittel dieses Preises. Der Anstoß zu diesem revolutionären Service kam aus dem taiwanesischen Parlament selbst, denn dort hat kürzlich ein Abgeordneter eine Kollegin vor laufenden Kameras an den Haaren gezogen und geschlagen. Und was im demokratisch gewählten Parlament passiert, kann ja nicht illegal sein, nicht wahr? Von hier ist es nicht weit zur Frage, ob das politische Faustrecht nicht auch eine reinigende Wirkung entfalten kann: Leberhaken statt endloser Untersuchungsausschüsse, Ohrfeigen statt beleidigender Zwischenrufe? Wäre das Thema Trittin nicht längst durch, wenn ihn die CDU mal schnell in den Landwehrkanal geworfen hätte? Hm. Warten wir lieber die taiwanesischen Erfahrungen ab.

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