Meinung : Matthies meint: Der böse Wolf und das Gysilein

Orte der Entscheidung! Heute: die Wahlurne. Nirgendwo ist der moderne Mensch so allein wie hinter den drei Pappwänden, nirgendwo sonst so vollkommen auf sich zurückgeworfen. In dieser existenziellen, ja: existenzialistischen Situation mag es deshalb vorkommen, dass der eine oder andere versehentlich sein Kreuz bei der PDS macht, einfach, weil die drei Buchstaben so harmonisch zueinander passen oder die Listennummer Glück verspricht. Der größte Liberale aller Zeiten, Jürgen W. Möllemann, hat das gemerkt - und packt das Übel dort, wo er dessen Wurzel vermutet: im "Neuen Deutschland". Kein Leser dieser Zeitung wird sich fürderhin noch darauf berufen können, er habe es einfach nicht besser gewusst, denn einmal in der Woche wird ihm Möllemann nun beibiegen, wie es richtig ist, und zwar im Wechselspiel mit Gregor Gysi. Das Vorbild, leicht zu erkennen, sind die Herren Lafontaine und Gauweiler in der Bild-Zeitung; nur wird man deren Lesern eine gewisse Neigung zu beiden Populisten nachsagen können. Möllemann allerdings, das personifizierte Wolfsgesetz des Kapitalismus, nimmt sich im Neuen Deutschland ungefähr so aus, als versuchte Dieter Bohlen das Gewandhausorchester zu dirigieren. Wir warten nun gespannt auf Variationen zum Thema. Sahra Wagenknecht im Bayernkurier? Den CSU-Wählern werden die Augen übergehen.

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