Meinung : Matthies meint: Die deutsche Disease

Reicht es, wenn hier das Wort "Risikostrukturausgleich" steht? Ja, wir sind zu Besuch im klopfenden Herzen unseres Gesundheitssystems, wo die Milliarden mit Höllentempo von einer Tasche in die nächste gepumpt werden. In den Hauptarterien knäueln sich die Hunderter, stolpernde Extrasystolen schubsen Fünfmarkstückberge zwischen den Ersatzkassen hin und her, und den empfindlichen Ärztekammern droht sogar das tödliche Kammerflimmern. Risikostrukturausgleich: Die Grundregel lautet, dass die Lage umso ernster ist, je schwabbliger die Begriffe werden. Ob hier also die Struktur des Risikos ausgeglichen werden soll oder ein riskanter Strukturausgleich droht - es ist eh wurscht, weil schon die nächsten Worte darum flehen, erhört zu werden. Diese Woche: das Disease-Management-Programm. "Disease" heißt zu Deutsch Krankheit, aber das würde ja verstanden werden, undenkbar in dieser heiklen Lage. Der Arzt sagt schließlich auch nicht, man habe Krebs, sondern flüstert den Kollegen ein paar Fachworte zu, freilich eher auf Latein. Folglich ist es konsequent, wenn ein Ärzte-Funktionär jetzt vor der "Amerikanisierung des Gesundheitswesens" warnt, wir wollen ihm zustimmen, ja! ja! - doch leider meint er damit irgendwas ganz anderes. Das Wortfieber steigt, uns schwindelt, wir müssen zum Arzt ... Pech, sagt der Mann mit dem Kittel, er sei der Disease Manager. Schwarz, alles schwarz da draußen ...

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