Meinung : Matthies meint: Gebt uns die Saalwette!

Vermutlich wird der Thriller "Vertrauensfrage", dessen Pilotfilm wir gestern sehen durften, bald in Serie gehen. Deshalb hier einige Anmerkungen zur Dramaturgie, speziell zur Aufbereitung der Höhepunkte: Sie war, gemessen am Fußballspiel vom Mittwoch, mehr als dürftig. So oft wir auch während der Abstimmung in die obere rechte Ecke des Bildschirms blickten, es war dort kein Zwischenstand zu sehen, nicht einmal die verbleibende Zeit. Schmerzlich vermisst haben wir belebende Statistiken, beispielsweise zu originellen Gedanken oder den unforced errors, die im Bundestag ja nicht weniger häufig sind als in Wimbledon. Auch die Zweikampfsiege der Debatte mussten wir deshalb allein zählen, nicht einmal vom Ströbele-Eigentor gab es eine Zeitlupe, und Ulrich Deppendorf klapperte wohl deshalb unentwegt mit seinem Kugelschreiber, weil ihm ein Gegenüber vom Kaliber Günter Netzers fehlte: "Ja, ich finde auch, dass die Grünen ihren linken Flügel vernachlässigen." Wolfgang Thierse muss sich sagen lassen, dass die Verlesung des Ergebnisses zwar formal völlig in Ordnung ging; jeder Grundschüler weiß aber heutzutage, wie man so etwas richtig macht: Umschlag aufreißen, "and the winner is ... Gerhard Schröder!!!" Vom Kanzler selbst schließlich wünschen wir uns für die Zukunft ein Spannungs-Element: Die Saalwette. Dann kann die Serie langsam starten.

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